PISA

Kritik an der OECD – Interpellation eingereicht

EDK und LCH sind sich einig: Die neue Testdurchführung, die abgeänderte Skalierung und die Zusammensetzung der Schweizer Stichprobe bei der aktuellen PISA-Erhebung 2015 haben zu Punktverschiebungen geführt, die eine verlässliche Interpretation der Ergebnisse verunmöglichen. Nun wird auch der Bundesrat darüber beraten.

Die jüngste PISA-Erhebung 2015 unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Testdurchführungen der Jahre 2000 bis 2012. Während die früheren Erhebungen allesamt mittels Papiertest bewerkstelligt wurden, so haben die Schülerinnen und Schüler 2015 die Tests vollständig am Computer absolviert. Die Punkteskala weist neu 8 Punkte weniger auf und die Schweizer Stichprobe ist zum einen viel kleiner als bisher und zum anderen weist sie einen übermässig hohen Anteil an Fremdsprachigen auf, sodass an deren Repräsentativität gezweifelt werden muss. 

Bereits an der Medienkonferenz vom 6. Dezember 2016 hat die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die vorgenommenen Veränderungen im Design von PISA viele Fragen zur Vergleichbarkeit der Daten aufwerfen. Eine verlässliche Interpretation sei daher nicht möglich. In einem Brief an die OECD bittet sie um Klärung. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH unterstützt das Vorgehen der EDK. Auch er verlangt von der OECD eine Stellungnahme zu den Änderungen in den Bereichen Prüfungsmodus, Stichprobe und Skalierung. «Sollte die OECD die (…) offenen Fragen nicht hinreichend beantworten, werden sich die Lehrerverbände LCH und SER dafür einsetzen, dass die PISA-Millionen künftig für das nationale Bildungsmonitoring ausgegeben werden», heisst es in seiner Medienmitteilung vom 6. Dezember 2016.   

Inzwischen hat Jonas Fricker, Nationalrat und Mitglied der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) eine Interpellation eingereicht, in der er drei Fragen an den Bundesrat richtet. Zum einen möchte der Parlamentarier wissen, wie der Bundesrat vorgehen wird, sollte die EDK keine Antwort erhalten. Weiter möchte er die möglichen Reaktionen kennen, die der Bundesrat in Betracht zieht, sollte sich die OECD nicht kooperativ verhalten. Und drittens ersucht er um Auskunft auf die Frage, ob die Schweiz in der OECD über genügend personelle und finanzielle Ressourcen verfügt, um ihre Interessen im Bereich Bildung, Forschung und Innovation wirksam vertreten zu können. Die Interpellation ist noch hängig, der Zeitpunkt ihrer Behandlung unklar. (bm)

Weitere Informationen
Interpellation «PISA-Ergebnisse. Schweizer Kritik an der OECD. Wie weiter?»
Keine verlässliche Interpretation möglich (News, www.LCH.ch, 6.12.2016)
Medienmitteilung EDK vom 6. Dezember 2016: PISA 2015 – Neustart mit Fragezeichen

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Medienmitteilung LCH vom 6. Dezember 2016: PISA 2015 – Viele Fragezeichen und keine neuen Erkenntnisse 

Pressestimmen
Die aktuellen Pressestimmen zu PISA finden Sie in der Rubrik «Bildung in den Medien»

Datum

15.12.2016

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