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Gymnasiallehrpersonen fordern bessere Arbeitsbedingungen

08.08.2017 – Gemäss zwei Studien des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG) ist aufgrund der heutigen Arbeits- und Anstellungsbedingungen nicht mehr gewährleistet, dass alle Schülerinnen und Schüler von engagierten Personen unterrichtet werden. VSG-Präsidentin Carole Sierro nimmt im Kurzinterview Stellung.

Carole Sierro, weshalb wollen die befragten Lehrpersonen lieber Teilzeit als Vollzeit arbeiten? Und welche Probleme bringt das mit sich?
Die meisten Lehrpersonen sind überlastet, besonders durch Aufgaben, die nicht direkt mit den Schülern oder dem Unterricht zu tun haben, wie beispielsweise Administration oder Absenzenkontrolle. Am meisten Motivation bringen sie für Aufgaben für Unterrichtsoptimierung, Recherche sowie Vor- und Nachbereitung mit, also das, was die Kernaufgaben unseres Berufs sein sollten. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn Lehrpersonen nicht mehr Vollzeit arbeiten können, um korrekt zu arbeiten. Die Probleme, die sich daraus ergeben, haben Konsequenzen für die Schülerinnen und Schüler. Lehrpersonen sind immer mehr burnoutgefährdet und haben durch die Zusatzaufgaben immer weniger Zeit für den einzelnen Schüler, das ist kontraproduktiv. Auch die Klassengrösse ist ein Faktor: Wir wissen von Klassen mit 32 Schülerinnen und Schüler, da hat man einfach weniger Zeit. Zu guter Letzt wird es schwierig sein, für gewisse Fächer gute Lehrpersonen oder überhaupt Lehrpersonen zu finden. Dies gilt besonders für Fächer wie Chemie oder Wirtschaft, in welchen die Arbeitsbedingungen in der Privatwirtschaft deutlich besser sind als in der Schule.

Welche waren in den beiden Studien die wichtigsten Unterschiede zwischen den Sprachregionen und aus welchen Gründen?
In der Romandie sind die Lehrpersonen für die Zusatzaufgaben etwas besser entlastet, aber die Arbeitsbedingungen sind deswegen nicht unbedingt besser. Diese verschlechtern sich auch in der Romandie: Erhöhung des Pflichtpensums, Reduktion des Rechts auf Weiterbildung, fehlende Altersentlastung, sinkende Einstiegslöhne.

Welche Massnahmen fordert der VSG, um die Arbeits- und Anstellungsbedingungen zu verbessern?
Wir fordern weniger Schülerinnen und Schüler in den Klassen. Die Kantone sprechen immer über die Mittelwerte, aber die Ausreisser nach oben sind das Problem. Weiter sollen die Pflichtpensen nicht weiter erhöht, sondern reduziert werden. Ebenso sollten die Zusatzaufgaben abnehmen oder zumindest anders gelagert werden, das Schulsekretariat kann zum Beispiel gut die Absenzenkontrolle übernehmen. Auf den Punkt gebracht: Lehrpersonen sollen schlicht mehr Zeit für ihr Kerngeschäft haben.

Interview: Maximiliano Wepfer

Weitere Informationen
Medienmitteilung Verein Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG) vom 8. August 2017: Gute Bildung braucht gute Lehrpersonen
Studie LCH: Lehrpersonen und die individuelle Gestaltung ihres Arbeitspensums

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