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Wer schlau ist, nimmt die Finger zum Rechnen

09.07.2018 – Kinder setzen für Rechenaufgaben oft ihre Finger ein. Dieses Fingerrechnen ist aber verpönt, auch unter Lehrpersonen. Zu Unrecht, wie die Psychologin Catherine Thevenot in ihrem Forschungsprojekt herausgefunden hat. Mehr noch: Kinder, die ihre Aufgaben an den Fingern abzählen, sind wahrscheinlich intelligenter.

Manche Erstklässlerinnen und -klässler nehmen zum Rechnen die Finger, andere nicht. Auf die Frage, welche Kinder eher zum richtigen Ergebnis kommen, würden die Meisten eher auf die Kleinen tippen, die ohne Finger auskommen. Viele Lehrpersonen sehen es auch so und ermahnen den Nachwuchs entsprechend. Doch tatsächlich rechnen die Mathe-Anfängerinnen und -Anfänger besser, die ihre Aufgaben an den Fingern abzählen. Noch erstaunlicher: Das sind wahrscheinlich die intelligenteren Kinder. Zumindest schneiden sie im Gedächtnisteil eines gängigen IQ-Tests besser ab. Dies hat die Psychologieprofessorin Catherine Thevenot von der Universität Lausanne im Rahmen ihrer Untersuchung herausgefunden, wie Autor Jochen Paulus in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins «Horizonte» berichtet.

Der Einsatz der Finger ist also keineswegs ein Notbehelf für Kinder, die es nicht mit dem Kopf allein schaffen. «Mit den Fingern zu zählen ist vielmehr eine Leistung, die zunächst nicht alle hinbekommen», sagt Thevenot. «Die Kinder müssen erst einmal begreifen, dass Finger für Zahlen stehen können.» Wer allerdings beim Addieren beide Zahlen komplett an den Fingern abzählen will, kommt nicht weit – bei zehn ist Schluss. Begabtere Kinder ändern daher bald die Strategie: Sie merken sich die grössere Zahl und zählen dann hoch, indem sie so viele Finger strecken, wie für die kleinere nötig sind. Auf die Dauer hilft das freilich auch nicht. Wenn die Zahlen noch grösser werden, gehen die Finger trotzdem aus. In ihrem Forschungsprojekt verfolgt Thevenot die Entwicklung der untersuchten Kinder weiter und erwartet, dass die besseren ungefähr mit acht zuerst auf die Finger verzichten, während die anderen noch eine Weile daran festhalten werden. (pd; Foto: Thinkstock/moodboard)

Weitere Informationen
www.horizonte-magazin.ch 

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