Standpunkte

«Drum prüfe, wer sich ewig bindet»

Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin LCH, kann es nachvollziehen, dass man mit Bedacht und Vorsicht an die Zusammenführung von LCH und SER herangehen will.

Dagmar Rösler

Dass es plötzlich rasch gehen würde, davon war nie auszugehen. Denn das Thema beschäftigt die Schweizer Lehrerinnen und Lehrer schon lange, eigentlich seit der Gründung des Schweizerischen Lehrervereins im 19. Jahrhundert. So konkret wie jetzt war die Absicht für einen nationalen Zusammenschluss aber noch nie: An der gemeinsamen Versammlung der Lehrpersonenverbände aus der Deutsch- und Westschweiz (LCH und SER) wurde 2019 der Beschluss gefasst, dass eine Arbeitsgruppe verschiedene Szenarien ausarbeiten und evaluieren soll. Im Frühjahr dieses Jahres wurden vier Organisationsmodelle mit entsprechender Fragestellung in die Konsultation bei Kantonalsektionen, Stufen- und Fachverbänden sowie Arbeitsgruppen und Kommissionen des LCH und in die entsprechenden Gremien des SER gegeben.

Mehr Kooperation, kein Zusammenschluss

An der gemeinsamen Sitzung der Präsidentenkonferenz LCH und des erweiterten Comité du SER (CoSER) vom 3. September 2021 wurden nun die Ergebnisse dieser Umfrage vorgestellt und diskutiert. Mich erstaunt es nicht, dass das Szenario, das den Ausbau der Kooperation beschreibt, am meisten Zuspruch gefunden hat. Dieses ebnet den Weg für eine weitere vorsichtige und bedachte Annäherung und hält gleichzeitig die Möglichkeit offen, später die beiden Verbände zusammenzuführen.

Noch ist aber nichts entschieden. Am 3. September hat die Arbeitsgruppe «Formation.CH» den Auftrag erhalten, aufgrund der Rückmeldungen der Mitgliedsorganisationen zwei neue Szenarien auszuarbeiten. Dies kann nun den Anschein erwecken, dass die Bestrebungen einen empfindlichen Rückschlag erlitten haben. Der Schein trügt. Die zahlreichen konstruktiven, kritischen und ehrlichen Antworten, die aus der Umfrage hervorgekommen sind, haben der Arbeitsgruppe «Formation.CH» die Richtung, die nun beschritten werden soll, deutlich aufgezeigt. Ausserdem war aufgrund der engagierten Voten an der Versammlung von beiden Seiten des Röstigrabens der Wille für eine gemeinsame Zukunft spürbar. Für die Mitgliedsorganisationen stehen dabei die Strukturen deutlich mehr im Zentrum als der konkrete Umsetzungszeitpunkt. 

Vorsichtig in die gemeinsame Zukunft

Ich finde es persönlich wichtig und richtig, dass sich LCH und SER genügend Zeit nehmen, um breit akzeptierte Strukturen auszuarbeiten. Nur so kann ein gemeinsamer Dachverband auf einer soliden Basis aufgebaut werden. Der Ausbau der Kooperation basierend auf dem heutigen Modell, mit dem Ziel, später auf eine richtige Fusion hinzuarbeiten, ist zwar ein vorsichtiger aber auch ein umsichtiger Weg in die gemeinsame Zukunft von LCH und SER. Oder wie Friedrich Schiller im Lied von der Glocke schrieb: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet.»

Datum

14.09.2021

Autor
Dagmar Rösler

Publikation
Standpunkte