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Für eine gute Differenzierung braucht es Ressourcen

Damit eine Lehrperson differenziert unterrichten kann, braucht sie die notwendigen Ressourcen, also Zeit und Hilfsmittel. Alternative und ergänzende Lehrmittel findet Samuel Zingg, Vizepräsident LCH, zum Beispiel an der Swissdidac. Leider hätten zu wenig Lehrpersonen die Möglichkeit, die Bildungsmesse zu besuchen.

Die Lehrer-Schüler-Beziehung ist einer der effektstärksten Einflussfaktoren für das erfolgreiche Lernen der Schülerinnen und Schüler. Ich bin sogar überzeugt, dass Lernen nur über Beziehung stattfinden kann. Die Beziehungsgestaltung einer Lehrperson findet oft im Klassensetting statt, während des Unterrichts, aber auch davor und danach.

Doch nicht nur eine vertrauens- und respektvolle Beziehung spielt fürs Lernen eine wichtige Rolle, sondern auch die möglichst passende Aufgabe für jede und jeden. Damit ich all meinen Schülerinnen und Schülern passende Aufgaben bereitstellen kann und sie sinnvoll und effektiv lernen können – nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten – muss ich differenzierend unterrichten. Nun könnte man meinen, ich müsse 20 individuelle Lernsettings und Programme machen und vier Lehrpersonen gleichzeitig sein. Das ist aber weder leistbar noch erstrebenswert. Doch zu versuchen, mit einem leistbaren Aufwand, möglichst nahe an dieses Ideal heranzukommen, das ist mein Ziel. Wie mache ich das?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu differenzieren. Sei es durch Material, durch Menge, durch Hilfestellungen oder durch mehr oder weniger offene Aufgaben. Je nach Lerngegenstand ist das unterschiedlich. Während im Französisch ein Ferienbericht im passé composé bereits als Auftrag differenziert ausgeführt wird, ist der Pythagoras in der Mathematik wohl eher für eine Differenzierung durch unterschiedliche Aufgaben und Materialien geeignet.

Damit ich differenzierende Unterrichtssettings und Aufträge schaffen kann, muss ich genügend Ressourcen – sprich Zeit und Hilfsmittel – zur Unterrichtsvorbereitung zur Verfügung haben. Der LCH und auch die kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbände setzen sich seit Langem für ein tieferes Unterrichtspensum pro Woche ein. Für eine genügend grosse Auswahl an Hilfsmitteln, sprich Lehrmittel, müssen wir ebenfalls immer mehr kämpfen. Genau deswegen besuche ich immer wieder gerne die Lehrmittelmesse Swissdidac Bern. Dort schaue ich mir neue, alternative und ergänzende Lehrmittel an. Oft kaufe ich ein Exemplar für mich und finde darin weitere Ideen für einen differenzierenden Unterricht. 

Nun bekunden immer mehr Lehrpersonen Mühe, diesen Besuch während ihrer Arbeitszeit von ihren Schulbehörden bewilligt zu erhalten, sodass viele von einem Besuch absehen. Schade. Die Erfüllung des Lehrplans, wofür wir die unterschiedlichen Lehrmittel benötigen, ist schliesslich die gemeinsame Pflicht von Lehrpersonen, Schulleitungen und Schulbehörden. Ein Besuch der Swissdidac trägt also zur Qualitätssicherung an unseren Schulen bei. 

In diesem Sinne – bis bald an der nächsten Swissdidac! Liebe Schulträger – investieren Sie in Ihre Lehrpersonen und lassen Sie diese ihre professionelle Arbeit machen, inklusive der Weiterbildung in der Form eines Besuches an der Swissdidac.

Datum

29.11.2021

Autor
Samuel Zingg

Publikation
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