Standpunkte
Coronavirus

Von Impfen, Testen und Föderalismus

In diesem Text für einmal Corona ganz beiseitelassen? Im Alltag mag das dann und wann gelingen und es tut auch gut. Aber für die Schulen ist das Thema so bestimmend, dass ich dem Virus auch in diesem Standpunkt seinen Platz gebe. Dies mit der hoffnungsvollen Aussicht, dass ich meinen nächsten Standpunkt dann über etwas ganz anderes schreiben mag. 

Heute ploppt in meinem E-Mail-Postfach die Nachricht des deutschen Partnerverbandes Bildung und Erziehung (VBE) auf: In Deutschland sind Lehrpersonen an Grundschulen und Förderschullehrpersonen sowie Erzieherinnen oder Sanitäter von der Kultusministerkonferenz in die zweite Impfpriorität von insgesamt sechs angehoben worden. Sie können sich privilegiert impfen lassen, weil sie besonders exponiert sind und die Schutzmassnahmen nicht immer eingehalten werden können. 

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat bereits im Januar verlangt, dass die Lehrerinnen und Lehrer nach den vulnerablen Personen und nach dem Gesundheitspersonal prioritär in die Impfstrategie aufgenommen werden. Eine Unterstützung der Forderung durch die EDK ist erfolgt, was mich freut. Nur reicht das auf dem Papier nicht aus. Bisher angekündigt hat lediglich der Kanton Glarus, dass er die Lehrpersonen prioritär impfen lassen will. 

Viele kantonale Unterschiede

Testen in Schulen, diese Idee kam aus dem Kanton Graubünden und jetzt ist sie in vielen Kantonen angesagt. Gut so – aber warum bitte so unterschiedlich? Weshalb braucht es in einem Kanton ein Pilotprojekt und im anderen Kanton wird der Test gleich befohlen? Sinnvoller wäre eine schweizweit einheitliche Strategie: Es braucht eine rechtliche Grundlage, es braucht ein Konzept und es muss lupenrein geklärt sein, was mit den erhobenen Daten passiert. 

Ich liebe den Föderalismus, wenn er hilft, die Eigenheiten eines Kantons zu pflegen und zu schützen. Dass Appenzell Innerrhoden und Glarus ihre Landsgemeinden abhalten, möchte ich nie missen und zu Zürich passt das nun wirklich nicht! 

Einen Konsens finden

Aber während einer Pandemie ist das eine andere Sache! Da brauchen wir Gesundheitsschutz statt Heimatschutz! Im langen Jahr, in dem Corona uns an den Schulen im ganzen Land umtreibt, fehlt mir eines: Dass die Kantone in Sachen Schule gemeinsam um die besten Lösungen ringen, sich dann darum bemühen, einen Konsens zu finden, und diesen wie aus einem Munde kommunizieren. Das wäre wirksame Pandemiebekämpfung und hätte enorme Strahlkraft nach aussen.

Heterogenität ist eine Herausforderung, der wir Lehrerinnen und Lehrer täglich mit Professionalität und Engagement begegnen. Gerade deshalb brauchen wir nicht auch noch heterogene Massnahmen gegen die Coronapandemie!

Datum

02.03.2021

Autor
Franziska Peterhans

Publikation
Standpunkte

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