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Was für ein Jahr

Vor knapp einem Jahr stiess ich mit Freunden mit Vorfreude auf das neue Jahr 2020 an. Wir wünschten uns alle viel Glück, Gesundheit und Freude. Hätte uns damals jemand gesagt, was auf uns wartet, hätten wir es nie und nimmer geglaubt. 

Wir haben 2020 viele Premieren erlebt. Noch nie waren in der Geschichte der Schweiz die Schulen gesamtschweizerisch geschlossen – weder zu Zeiten der Spanischen Grippe noch während den beiden Weltkriegen. Nun wächst eine Generation von jungen Menschen heran, die genau dies erfahren hat. Auch ihre Familien und die Verantwortlichen der Schulen sind um diese Erfahrung reicher geworden. Wir alle haben teilgenommen an diesem vor knapp einem Jahr undenkbaren Ereignis. Was nehmen wir aus dieser Erfahrung mit?

Schulschliessungen vermeiden

Mir ist noch bewusster geworden, wie systemrelevant unsere Schulen sind. Für die Familien, die Wirtschaft, die Gesellschaft – und in erster Linie für die Schülerinnen und Schüler, 

  • da Fernunterricht nicht dieselben für eine ganzheitliche Bildung wichtigen Inhalte vermitteln kann wie der Präsenzunterricht.
  • da die Schülerinnen und Schüler den Austausch mit ihren Peers benötigen für eine gesunde Entwicklung.
  • da die Lernprozesse nicht gleich begleitet werden können wie vor Ort.
  • da die Chancengerechtigkeit noch schwieriger zu gewährleisten ist und sich die Schere weiter öffnet.
  • da die juristischen und technischen Grundlagen für eine Benotung fehlen.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene benötigten in dieser Zeit vermehrt psychologische Unterstützung. Es ist wichtig, dass wir ihnen eine Sicherheit geben können sowie eine Struktur und den Glauben an eine positive Zukunft. Auch für die Lehrpersonen hat sich wie für viele andere Berufe das Berufsbild von einer Minute zur anderen total verändert. Stand man bis anhin in der Klasse, sass man plötzlich vor dem Computer, bereitete den Unterrichtsstoff digital vor und korrespondierte mit seinen Schülerinnen und Schülern per Videokonferenz und Telefon. Dies generierte einen hohen Arbeitsaufwand.

Digitale Transformation

Zweifelsohne verhalf die Pandemie dem Schulsystem zu einem unverhofften Schub in der digitalen Entwicklung. Dies ist gut so, denn die Inhalte der digitalen Fertigkeiten stehen sowieso im Lehrplan 21 und für die weiterführenden Schulen und Berufsschulen sind sie unabdingbar. Klar ist, dass die Schulen die nötige Infrastruktur benötigen, den erforderlichen Support, um die Geräte zu pflegen, und entsprechende Weiterbildungen für die Lehrpersonen. 

Nicht nur die Schule, sondern unsere Gesellschaft ist von diesem digitalen Entwicklungsschub betroffen. So ist es enorm wichtig, dass wir die Schülerinnen und Schüler auch in der Bewältigung der Schattenseiten kompetent machen. 

  • Sie sollen lernen, wie sie ihre persönlichen Angaben schützen können, 
  • wie sie mit der Suchtgefahr umgehen können, 
  • wie sie dem Druck der Like-Kultur und den stetig steigenden Anforderungen an das perfekte Selfie standhalten können. 
  • Sie sollen sich bewusstwerden, was alles beim Surfen im Internet und in den sozialen Medien geschieht (Filmempfehlung: The Social Dilemma). 

Datum

01.12.2020

Autor
Dorothee Miyoshi

Publikation
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