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Das komplexe Dilemma der Berufsverbände

Berufsverbände wie der LCH und seine Mitgliedsorganisationen sehen sich immer wieder mit einem komplexen Dilemma konfrontiert. Einerseits will ein Berufsverband seine Profession stärken und weiterentwickeln. Der Beruf soll attraktiv präsentiert werden, damit junge Leute oder Quereinsteiger interessiert daran sind, sich für diesen Beruf zu entscheiden. In Anbetracht des vorherrschenden quantitativen und qualitativen Lehrermangels ist dies von grosser Bedeutung. Dieser Teil der Verbandsarbeit soll zur Stärkung des Berufsimages beitragen, durch Kommunikation der sinngebenden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit, Arbeit in engagierten Teams und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten.

Andererseits ist es aber auch die Aufgabe eines Berufsverbands, Missstände aufzuzeigen und sich für Verbesserungen einzusetzen. Der LCH gab dazu wissenschaftliche Studien in Auftrag, die unter anderem die Arbeitszufriedenheit, Gesundheit und Arbeitszeit der Lehrpersonen untersuchten. Dabei wurden zum Teil hohe Belastungen und grosse Unterschiede zwischen den Kantonen festgestellt. Der LCH reagierte auf diese Ergebnisse mit entsprechenden Forderungen an die Arbeitgeber. Dieses Jahr werden die Ergebnisse der Lohnstudie veröffentlicht, welche die realen Löhne von Lehrpersonen in Zyklus 1 und 2 in ausgewählten Kantonen untersucht hat. Zudem hat der LCH eine Studie in Auftrag gegeben, die dieses Jahr die Erfahrungen von Lehrpersonen mit physischer und psychischer Gewalt erheben wird. Bisher gibt es in der Schweiz keine umfassenden Daten zu diesem Aspekt. Das Thema Gewalt gegen Lehrpersonen zu thematisieren, soll nicht von der Wahl dieses Berufs abschrecken, sondern dazu dienen, von den Arbeitgebern einen besseren Schutz der Lehrpersonen einzufordern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Sie soll ausserdem die Herausforderungen dieses Berufs beim Namen nennen.

Die Aufgabe, sowohl Missstände aufzuzeigen als auch den Beruf positiv darzustellen, ist eine permanente, aber auch spannendende Herausforderung für einen Berufsverband, der sich der LCH seit Jahren erfolgreich stellt.

Datum

03.03.2020

Autor
Beat A. Schwendimann

Publikation
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