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PISA

Lüge oder Wahrheit?

Noch nie war die Menschheit mit einer solch grossen Informationsflut konfrontiert wie heute. Und noch nie war es so einfach, die eigene Meinung zu verbreiten. Dies hat auch Einfluss auf unsere Schülerinnen und Schüler. Doch verstehen sie wirklich, was sie lesen? Die neuste Pisa-Studie hat der Lesekompetenz von Schweizer Jugendlichen kein gutes Zeugnis ausgestellt.

Jugendliche sind heutzutage aufgrund des Smartphones einer ständigen Berieselung von Informationen ausgesetzt. 84 Prozent aller 12- bis 19-Jährigen in der Schweiz benutzen die sozialen Netzwerke regelmässig und informieren sich vorwiegend über Videoplattformen, Social Media und Suchmaschinen. Radio, Fernsehen oder Zeitungen werden praktisch nicht mehr verwendet. Und dies, obwohl die Generation Z die Glaubwürdigkeit der von ihr bevorzugten Kanäle selber als eher gering einstuft. 

Kein gutes Zeugnis

Eine neue Publikation der OECD, die auch im dreijährlichen Turnus die Pisa-Studie durchführt, zeigt, wie Fünfzehnjährige ihre Lesekompetenz entwickeln, um im digitalisierten 21. Jahrhundert zurechtzukommen. Die neusten Ergebnisse der Pisa-Studie 2018, die Ende 2019 publiziert wurden, zeigen, dass Schweizer Teenies Mühe haben, Falschinformationen von zuverlässigen Nachrichten zu unterscheiden. Im Vergleich mit den anderen Ländern befindet sich die Schweiz damit im hinteren Mittelfeld.

Hier zeigt sich, dass eine gute Lesekompetenz, Strategien des kritischen Denkens und eine gute Einschätzung von Informationsquellen bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit von zentraler Wichtigkeit sind, um einen Text richtig einordnen zu können.

Was in der erwähnten Publikation aber auch etwas hellhörig macht, ist, dass gewisse Daten und Auswertungen auf Angaben von Schülerinnen und Schülern beruhen sollen. Da stellt sich dem kritischen Leser und der kritischen Leserin die Frage, ob man eine solch breit beachtete Studie auf subjektive Angaben abstützen kann.

Strategien entwickeln

Selbstverständlich sind Schulen weiterhin gut beraten, grosses Gewicht auf das kritische Lesen zu legen. Es sollen Strategien entwickelt werden, die helfen, einen Text oder eine Meldung auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Diese Strategien sollen dabei helfen, festzustellen, ob Informationen subjektiv, voreingenommen oder gar gefälscht sind.

Schulen leisten in diesem Bereich bereits einen wichtigen Beitrag. Die Ergebnisse der neusten PISA-Studie – auch wenn sie vielleicht nicht über jeden Zweifel erhaben sind – weisen aber darauf hin, dass im Bereich Leseverständnis und Medienkompetenz noch weitere Anstrengungen unternommen werden müssen.

Der Umgang mit Fakten, Fake News, Informationen und Kommentaren will gelernt sein und wird in Zukunft unser (Arbeits-)Leben prägen. Hand aufs Herz: Auch für uns Erwachsene wird dies ein Prozess von lebenslangem Lernen sein. Vermehrt Gewicht darauf zu legen, dass möglichst keine Fake News mehr verbreitet werden, wäre wohl zu viel verlangt.

Datum

01.06.2021

Autor
Dagmar Rösler

Publikation
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