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Fernunterricht

Fernunterricht: Effort trägt Früchte

Die plötzliche Umstellung auf reinen Fernunterricht stellte die Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz vor vielfältige Herausforderungen. Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin LCH, erzählt im Kurzinterview, wie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Mitgliedsorganisationen die aktuelle Situation einschätzen.

Dagmar Rösler, in den vergangenen Tagen standst du in Kontakt mit Präsidentinnen und Präsidenten verschiedener Sektionen des LCH. Wie geht es den Lehrpersonen in dieser speziellen Situation?
Es überrascht mich nicht, dass sich in allen Kantonen, mit denen ich Kontakt hatte, ein ziemlich einheitliches Bild abzeichnet. Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich in ausserordentlich hohem Masse dafür, dass es den Kindern und Jugendlichen zu Hause gut geht und diese durch sinnvolle Aufgaben nicht nur beschäftigt sind, sondern auch vom Fernunterricht profitieren. Es ist gut spürbar, dass es auch den Lehrerinnen und Lehrern ein grosses Anliegen ist, das Beste aus dieser Situation zu machen.

Welche Probleme und Herausforderungen ergeben sich aus dem Fernunterricht?
Der Start in den Fernunterricht war für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. Es musste geklärt werden, wie das Arbeitsmaterial zu den Kindern und Jugendlichen kommt, welche technische Ausrüstung daheim verfügbar ist und wie die Schülerinnen und Schüler zu Hause bei den Lernaktivitäten betreut werden. Im Verlauf der vergangenen Woche hat sich aber herausgestellt, dass der Fernunterricht grundsätzlich gut funktioniert und dass der grosse Effort, der geleistet worden ist, Früchte trägt.

Allgemein sind sich die Lehrerinnen und Lehrer aber sehr bewusst, dass die Thematik der Chancengerechtigkeit mit dem Fernunterricht nochmals eine neue Dimension annimmt. Die Schere zwischen Kindern und Jugendlichen, die zu Hause eine unterstützende Situation haben und jenen, die keinen oder zu wenig Support erhalten, wird sich nun dramatisch öffnen. Um diese Schülerinnen und Schüler müssen sich die Lehrpersonen ganz speziell kümmern, merken dann aber auch, dass man da irgendwann an die Grenze des Machbaren stösst. Die Folgen der Zeit ohne Präsenzunterricht für die Chancengerechtigkeit werden aber erst zu sehen sein, wenn die Schülerinnen und Schüler wieder alle zusammen in der Schule sind. Und dann sind da noch die vielen offenen Fragen bezüglich Prüfungen, Noten und Leistungsnachweisen. Wenn die Schulen weiterhin geschlossen bleiben, braucht es in absehbarer Zeit Antworten darauf.

Gibt es auch Aspekte, welche die Lehrerinnen und Lehrer als positiv wahrnehmen? Und gibt es etwas, das sie sich wünschen?
Durch die in der Tat teilweise schwierige Situation auch für Eltern, die zum Beispiel im Homeoffice ihre Berufsarbeit erledigen und gleichzeitig ihre Kinder im Fernunterricht begleiten sollen, ist die Komplexität und Vielschichtigkeit der Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern sichtbarer geworden. Sie haben nun eine fast tägliche Präsenz in den Schweizer Wohnzimmern, durch die das tägliche Tun und Handeln des Lehrberufs spürbar und erkennbar geworden ist. Wünschenswert wäre natürlich, dass diese Anerkennung auch später, wenn wieder «Normalbetrieb» herrscht, dauerhaft anhalten würde.

Datum

31.03.2020

Autor
Interview: Deborah Conversano

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