LCH-STELLUNGNAHME

Grundkompetenzen und Berufsbildung stärken: LCH fordert gemeinsame Verantwortung

Eine Umfrage der Wirtschaftsverbände sorgt für Schlagzeilen. Ausbildungsbetriebe kritisieren die teils schwachen Grundkompetenzen ihrer Lernenden. Der LCH nimmt diese Sorgen ernst und betont in seiner Stellungnahme, wie wichtig die passenden Rahmenbedingungen sind. Wirtschaft und Schulträger müssen dafür gemeinsam die Verantwortung tragen.

Eine aktuelle Umfrage unter Ausbildungsbetrieben, durchgeführt von Wirtschaftsverbänden, zeigt teilweise ungenügende Grundkompetenzen der Lernenden auf. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) nimmt die Sorgen der Ausbildungsbetriebe ernst. Solide Grundkompetenzen in Sprache und Mathematik bilden eine wichtige, aber nicht ausreichende Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt. 

Wer das Kompetenzniveau nachhaltig heben will, muss der Volksschule, den Berufsfachschulen und den Ausbildungsbetrieben passende Rahmenbedingungen bereitstellen. Der wachsenden Diversität muss mit früher Sprachförderung vor dem Kindergarten sowie gezielter Fördermassnahmen entlang dem gesamten Bildungsweg begegnet werden. Wirtschaft und Schulträger müssen hier gemeinsam Verantwortung tragen.

Ursachen fundiert erforschen

Die Umfrage der Wirtschaftsverbände zeigt auf, dass viele Ausbildungsbetriebe bei neu eintretenden Lernenden ungenügende Grundkompetenzen wahrnehmen. Die Umfrage weist darauf hin, dass die genauen Ursachen dafür nicht abschliessend geklärt sind. Internationale Studien wie Pisa belegen seit Jahren weltweit sinkende Leistungen. Einfache Schuldzuweisungen lösen dieses Problem nicht. Der LCH unterstützt daher die Forderung nach Forschungsprojekten, um die Ursachen zu klären und evidenzbasierte Massnahmen auf allen Bildungsstufen zu treffen.

Bildungsgerechtigkeit sichern

Der Schulerfolg in der Schweiz hängt nach wie vor überdurchschnittlich stark von der sozialen Herkunft ab. Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen erreichen die Grundkompetenzen seltener und haben es beim Übergang in die Sekundarstufe II deutlich schwerer. Diese Ungleichheit gefährdet das nationale Ziel einer Abschlussquote von 95 Prozent auf der Sekundarstufe II. Die Lehrpersonen der Volksschule setzen sich innerhalb der gegebenen Rahmenbedingungen mit vollem Engagement dafür ein, junge Menschen bestmöglich auf das Leben und die Berufswelt vorzubereiten. 

Die vielschichtigen Ursachen für Schwierigkeiten in der Berufslehre dürfen nicht einseitig der Volksschule zugeschoben werden, sondern stellen eine gemeinsame Verantwortung aller Verbundpartner dar. Schulen und Ausbildungsbetriebe müssen gezielte Massnahmen zur Förderung benachteiligter Kinder und Jugendlicher über alle Schulstufen bis in die Berufsbildung konsequent umsetzen können.

Lernende in der Lehre gezielt unterstützen

Die Förderung von benachteiligten Jugendlichen darf nicht beim Eintritt in die Berufsbildung enden. Ein Abbau von Lehrstellen schwächt das duale System und trifft genau jene Lernende am härtesten, die Unterstützung am dringendsten brauchen. Ausbildungsbetriebe und Berufsfachschulen müssen strukturierte Stützangebote für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten verankern, um Ausbildungsabbrüche rechtzeitig zu verhindern und Abschlüsse zu sichern.

Passende Ressourcen und Qualität auf allen Stufen

Die gestiegene sprachliche und soziale Diversität verlangt frühe und durchgehende Sprachförderung. Investitionen in die frühe Sprachförderung vor dem Schuleintritt entschärfen die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft wirksam. Um Kinder und Jugendliche gezielt begleiten und unterstützen zu können, braucht es kleinere Klassen sowie ausreichend dotierte Pensen für Deutsch als Zweitsprache (DAZ) und schulische Heilpädagogik (SHP). 

Hohe Unterrichtsqualität setzt an den Volksschulen zwingend qualifizierte Lehrpersonen voraus. Gleichzeitig sollte die pädagogische Vorbereitung der Berufsbildenden in den Betrieben über den bisherigen Rahmen hinaus vertieft werden.

Ganzheitlicher Bildungsauftrag des Lehrplans 21

Die Umfrage der Wirtschaftsverbände stützt sich auf eine methodisch selektive Betrachtung: Ergebnisse zu weiteren Grundkompetenzen wie Naturwissenschaften oder Fremdsprachen wurden in der Studie bewusst nicht erfasst. Zwar attestieren die Ausbildungsbetriebe den Lernenden gute überfachliche Kompetenzen, insbesondere im digitalen und sozialen Bereich, das breite Spektrum des Lehrplans 21 wird jedoch ausgeblendet. Subjektive Praxiseindrücke liefern wichtige Hinweise, ersetzen aber keine wissenschaftliche Erhebung der vielfältigen Kompetenzen von Jugendlichen.

KONTAKT FÜR MEDIENANFRAGEN

Dagmar Rösler, Präsidentin LCH
T +41 79 866 54 43, d.roesler@LCH.ch

Dr. Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle LCH
T +41 44 315 54 54, b.schwendimann@LCH.ch

Datum

02.09.2026

Autor
LCH

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Stellungnahmen

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