BILDUNGSFORSCHUNG

So wird Forschung für die Schule nutzbar

Wer will, kann in der Unterrichtspraxis direkt von aktueller Bildungsforschung profitieren. Beat A. Schwendimann, pädagogischer Leiter des LCH, stellt ein Buch vor, das dabei hilfreich ist.

Mit dem richtigen Hintergrundwissen, lassen sich neue Erkenntnisse aus der Forschung im Unterricht umsetzen.

Die Grundidee dieses Buchs ist entwaffnend einfach: Forschung stärkt die Praxis, wenn sie hilft, bessere Entscheidungen zu treffen. Das Studienbuch «Empirische Bildungsforschung» der pädagogischen Hochschule St. Gallen ist eine Einladung, Unterricht und Forschung konsequent zusammenzudenken. Das Autorenteam betont, dass Lehrpersonen dazu keine Forscherinnen oder Forscher sein müssen. Entscheidend sei die Haltung: neugierig fragen, Daten nutzen, Ergebnisse deuten, Konsequenzen ziehen. Diese Grundhaltung macht Schule lernfähig und stärkt die Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer.

Schule und Forschung: eine Wechselbeziehung

Die Schule braucht die Forschung also, um in komplexen Situationen kluge Abwägungen machen zu können. Die Forschung liefert dafür Orientierungen und erprobte Vorgehensweisen. Umgekehrt entsteht Praxisrelevanz nur in echten Kontexten, unter Zeitdruck, mit heterogenen Klassen und Zielkonflikten. Dort werden Fragen geschärft, Verfahren der realen Situation angepasst und Nebenwirkungen sichtbar.

Die Autorin und die Autoren zeigen diesen gegenseitigen Nutzen ohne Pathos, aber dafür mit realistischer Erwartung: Wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzen nicht das pädagogische Urteil. Allerdings machen sie es treffsicherer. Strukturell führt das Buch kompakt in Geschichte, Begriffe und Nutzen qualitativer und quantitativer Bildungsforschung ein und verarbeitet Vorbehalte aus der Praxis, wie zum Beispiel fehlende Relevanz oder unzugängliche Texte.

Die Verbesserung im Fokus

Der erste Teil führt in die empirische Bildungsforschung ein, mit Fokus auf deren Bedeutung für den Lehrberuf. Der zweite Teil bietet praxisorientierte Anleitungen, etwa zur Frage, wie Lehrpersonen empirische Bildungsforschung im Schulalltag konkret zur Entwicklung des eigenen Handelns anwenden können. Dazu gehört, wo und wie man sich über aktuelle Forschung informieren und diese kritisch einordnen kann. Das Autorenteam verweist zum Beispiel auf Kriterien wie Peer-Reviews, also die Begutachtung von Publikationen durch Fachleute. Auch lohne es sich, den Impact-Faktor zu berücksichtigen, also wie oft eine Studie in anderen seriösen, wissenschaftlichen Publikationen zitiert wird. Ausserdem müsse die Methode einer Studie zur Fragestellung passen. Nicht zuletzt sei Transparenz der Forschenden wichtig. Dazu gehöre, dass sie das Vorgehen ihrer Studie detailliert beschreiben.

Für die Umsetzung im Unterricht empfehlen die Autorin und die Autoren den Fokus auf einzelne Ergebnisse, die man selbst als wichtig einschätzt. Dabei geht es nicht um grosse Projekte, sondern um wiederholtes, bewusstes Verbessern im Kleinen.

Das Studienbuch «Empirische Bildungsforschung» sieht sich als praxisorientierten Kompass. Es spricht angehende und aktive Lehrpersonen direkt an, vermeidet akademische Umwege und zeigt, wie sich empirische Erkenntnisse in den Schulalltag übersetzen lassen. Der Ton ist nüchtern, die Beispiele sind nah am Klassenzimmer. Wer im Schulalltag belastbar und evidenzbasiert entscheiden will, findet hier Orientierung, konkrete Beispiele und relevante Impulse. Das Buch macht Mut, mit kleinen, sauberen Schritten anzufangen und konsequent zu lernen. Es zeigt, warum Schule Forschung braucht und wie Forschung Schule stärkt. 

Zur Person

Beat Schwendimann ist Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Auf LCH.ch schreibt er für die Rubrik Bildungsforschung über aktuelle Studien und darüber, was die Erkenntnisse für Schule und Bildung bedeuten.

Datum

31.03.2026

Autor
Autor: Beat A. Schwendimann, pädagogischer Leiter LCH

Publikation
LCH News

Themen