Auf Druck des kantonalen Parlaments will der Zürcher Regierungsrat die Zulassung zum Studium an der pädagogischen Hochschule (PH) lockern. Neu sollen auch Personen mit Berufsmatur zugelassen werden. Bislang mussten diese eine Aufnahmeprüfung bestehen. Prüfungsfrei zugelassen sind aktuell nur Personen mit Maturität oder einer pädagogischen Fachmaturität.
Stimmt das Kantonsparlament dieser Gesetzesänderung zu, weicht die Praxis vom übergeordneten Bundesrecht ab. Erst im vergangenen Jahr veröffentlichte der Bundesrat einen Bericht, wonach er sich für die bestehende Zulassung an die Schweizer PHs aussprach. Er stützte sich dabei auf Gutachten, die bei Berufsmaturandinnen und -maturanden zu wenig Allgemeinwissen feststellten. Daraus resultiere eine verminderte «Studierfähigkeit» und mehr Studienabbrüche.
Eine der Erhebungen kam zum Schluss, dass Personen mit Berufsmatur verglichen mit Absolvierenden einer Fachmittelschule mit Pädagogikprofil 3220 Unterrichtsstunden weniger absolviert haben – unter anderem in den Fächern Deutsch, Mathematik, Französisch und Englisch.
Qualitätseinbussen befürchtet
Die Reaktionen auf den Entscheid der Zürcher Regierung fallen unterschiedlich aus. Vertretende des bürgerlichen Lagers begrüssen ihn, weil sie der zunehmenden Akademisierung des Lehrberufs entgegenwirken wollen und sich durch die Neuerung mehr Studierende an der Zürcher PH erhoffen.
Lena Fleisch hingegen ist skeptisch. Die Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands befürchtet eine Entwertung des Berufsstandes und des Lehrdiploms. Gegenüber der NZZ sagt sie im Hinblick auf Berufsmaturandinnen und -maturanden: «Es fehlt für ein PH-Studium schlicht an Fachwissen. Eine Zulassung ohne Aufnahmeprüfung ist deshalb für uns nicht akzeptabel.» So würden Qualitätseinbussen beim Lehrpersonal drohen. Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz ist gegen die prüfungsfreie Zulassung von Personen mit Berufsmaturität. In einem 2024 veröffentlichten Argumentarium verweist er darauf, dass es sich bei dieser Lockerung um eine Scheinlösung zur Bekämpfung des Lehrpersonenmangels handle.
In Bern bereits möglich
Kommt die Gesetzesänderung im Kanton Zürich durch und Personen mit Berufsmatur erhalten prüfungsfrei Zugang zur PH, erhalten diese nach abgeschlossener Ausbildung ein Diplom zweiter Klasse. Dieses ist nur im Kanton Zürich, nicht aber im Rest der Schweiz anerkannt. Bereits früher senkte der Kanton Bern die Hürden für das PH-Studium. Dort dürfen schon heute Personen mit Berufsmatur ein Studium an der pädagogischen Hochschule prüfungsfrei in Angriff nehmen.
Im Bericht der Zürcher Regierung zur Gesetzesanpassung heisst es allerdings, dass dies zu keinem grossen Zustrom neuer Studierender geführt habe. Auch der Befund aus dem Gutachten des Bundes scheint sich zu bewahrheiten: Die Abbruchquote unter Studierenden mit Berufsmatur liegt höher als der Durchschnitt.
