Standpunkte

Gut zu wissen...

Es ist gut zu wissen, dass praktisch täglich in der Presse über die Schule berichtet wird. Das zeugt von grossem Interesse der Medienschaffenden und der Bildungspolitikerinnen und -politiker an der Institution Schule. Bei der Lektüre stosse ich jedoch auch fast täglich auf erschreckende Begriffe, welche die enormen Leistungen der Lehrpersonen und aller anderen Fachleute im Bildungsbereich in einem düsteren Licht erscheinen lassen. Da wird mir als Leser immer wieder vor Augen geführt, wie viele schreckliche Menschen mit böswilligen Absichten unser Bildungswesen demontieren wollen.

Ich lese beispielsweise von einem «bürokratischen, nicht praxistauglichen Monsterwerk». Gemeint ist damit der Lehrplan 21. Gemäss Duden ist ein Monster ein «furchterregendes, hässliches Fabelwesen, ein Ungeheuer von fantastischer, meist riesenhafter Gestalt». Was müssen die Verfasser demnach für Unmenschen mit destruktiven Absichten sein?

Mir wird auch immer wieder vor Augen geführt, in welch äusserst unangenehmen, bedrohlichen Situation die Lehrerinnen und Lehrer (und wohl auch die Schülerinnen und Schüler) sind: Sie befinden sich gemäss den Schreckensmeldungen in den «Klauen eines bürokratischen Ungeheuers». Sie werden in der Schule, die zur Reparaturwerkstätte verkommen ist, von oben gegängelt. Von Steuerungswahn befallene Menschen hecken Bürokratiemonster aus und regen damit Science-Fiction-Fantasien an. Die pädagogischen Hochschulen sind mit ihrem akademischen Gebrabbel Brutstätten von Bildungsreformen.

Wen wunderts, dass heute ein diffuses Lehrerbild besteht (und wohl auch Lehrerinnenbild, obschon man davon selten liest!) und der Berufsstand am seelischen Abgrund steht.

Bekanntlich ist ja Papier geduldig. Mich erschreckt jedoch, wie unbedacht mit diffamierenden, verletzenden Begriffen in der Öffentlichkeit umgegangen wird. Oder gibt es tatsächlich so viele Menschen, welche willentlich unsere Schule, unser Bildungssystem verschlechtern wollen? Ich habe in meinem Umfeld nach solchen Leuten gesucht... und bin nicht fündig geworden.

Es ist gut zu wissen und auch einigermassen beruhigend, dass ich niemanden kenne, der absichtlich solche destruktiven Ziele verfolgt.

Datum

09.12.2014

Autor
Bruno Rupp

Publikation
Standpunkte