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Die Schule als Ort der Stabilität

Die Schule bietet Kindern und Jugendlichen ein verlässliches Umfeld – besonders in unsicheren Zeiten. Damit leistet die Schule einen wertvollen Beitrag, in den investiert werden muss, schreibt Christian Hugi, Mitglied der Geschäftsleitung LCH.

Für Christian Hugi, Mitglied der Geschäftsleitung LCH, trägt die Schule dazu bei, Kindern und Jugendlichen ein verlässliches in unsicheren Zeiten zu bieten.

Vor einigen Wochen haben meine Kollegin und ich mit unserer ersten Klasse das Ritual «Kind der Woche» gestartet. Ich nehme an, viele Lehrpersonen kennen und nutzen es ebenfalls in der einen oder anderen Form. Im Kern geht es darum, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken, den Umgang mit Komplimenten zu lernen und ein gutes Klassenklima zu fördern. Jede Schülerin und jeder Schüler kommt irgendwann in den Genuss, das Kind der Woche zu sein und für eine ganze Woche erhöhte Aufmerksamkeit zu erhalten. Nicht, weil man das verdient oder erarbeitet hätte, sondern einfach, weil man zur Klasse gehört.

Wie wichtig dieses und andere Rituale in der Schule sind, zeigt sich besonders in unruhigen Zeiten, wie wir sie seit zwei Jahren erleben. Durch solche Rituale und beständige Strukturen gewinnt der Schulalltag für die Kinder und Jugendlichen an Verlässlichkeit und wird damit für sie zu einem hohen Grad vorherseh- und planbar. Rituale geben Sicherheit und unterstützen dabei, sich in geborgenem Rahmen mit neuen und unbekannten oder auch mit bedrohlich wirkenden Situationen auseinanderzusetzen, diese einzuschätzen, mit anderen zu besprechen und sich diesen zu stellen. Wenn die Kinder und Jugendlichen dabei auf ihre Selbstwirksamkeit vertrauen, gelingt das mit der nötigen Zuversicht. Dies zu unterstützen und zu stärken ist unsere schöne, wichtige Aufgabe als Pädagoginnen und Pädagogen.

Neben Ritualen sorgt auch der Stundenplan mit seiner wöchentlichen Gültigkeit für eine Ritualisierung der Abläufe und des Wochenverlaufs. Für Verlässlichkeit sorgen ausserdem beständige Bezugspersonen. Dazu gehören sowohl Mitschülerinnen und Mitschüler als auch die Lehr-, Fach- und Betreuungspersonen. Leider ist durch den seit längerem schwelenden und zunehmenden Mangel an Lehr- und Fachpersonen dieser Aspekt der Beständigkeit im Schulalltag für manche Klassen nicht mehr gewährleistet, wenn wechselnde Stellvertretungen eine fehlende Klassenlehrperson ersetzen. Politikerinnen und Politiker sollten vor dieser Problematik nicht länger die Augen verschliessen und endlich griffige Massnahmen ergreifen. Kostenneutral wird dies wohl kaum gelingen, aber die Qualität unserer Volksschule muss es uns wert sein.

Welchen Wert die Volksschule hat und welch wichtige gesellschaftlichen Dienste sie leistet, wurde und wird in diesen unruhigen Zeiten allen wieder klar vor Augen geführt. Es lohnt sich darum für Kinder und Jugendlichen genauso wie für uns alle, in eine gute, starke Schule zu investieren.

Datum

29.03.2022

Autor
Christian Hugi

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