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ERG wird in St. Gallen rein schulisches Fach

Im Kanton St. Gallen konnten Schülerinnen und Schüler bisher im Wahlpflichtfach «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» zwischen dem Angebot der Schule und dem der Landeskirchen wählen. Mit dieser schweizweit einzigartigen Lösung ist ab 2021 Schluss. Der Kantonale Lehrerinnen- und Lehrerverband St. Gallen (KLV SG) begrüsst diesen Schritt. 

Der Kanton St. Gallen startete 2017 mit der Einführung des neuen Lehrplans. Das Wahlpflichtfach «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (ERG) unterrichten sowohl die Schule wie auch die Landeskirchen. Die Eltern entschieden, bei wem ihr Kind ab der dritten Primarschulklasse das Fach besucht.

Rein schulisches Fach im Klassenverband

Mit dem nächsten Schuljahr entfällt diese Wahl: Sowohl in der Primarschule als auch auf der Oberstufe wird ERG ein rein schulisches Fach, das im Klassenverband unterrichtet wird. Das hat das St. Galler Bildungsdepartement am 20. November 2020 mitgeteilt. Die fragliche Thematik solle «in der ganzen Klassengemeinschaft gefördert und die spaltende Wirkung des bestehenden Modells zwischen den unterschiedlichen Anspruchsgruppen – oft entlang der Abgrenzung zwischen christlichem und nichtchristlichem Hintergrund – überwunden werden».

St. Gallen bleibt bei eigenem Weg

Der Kanton St. Gallen gibt damit eine schweizweit einzigartige Sonderlösung auf und nähert sich den anderen Kantonen an. Zwei Besonderheiten haben aber Bestand: ERG bleibt in St. Gallen, anders als sprachregional vorgeschlagen, auch in der Primarschule ein eigenständiges Fach und wird nicht Bestandteil des Fachs «Natur, Mensch, Gemeinschaft» (NMG). Zudem wird Religionsunterricht als Freifach im Stundenplan verankert. Die Schulträger müssen gemäss Volksschulgesetz dafür unentgeltlich Schulräume zur Verfügung stellen. 

Änderungen in WAH und BO

Das Bildungsdepartement gab am 20. November weitere Änderungen bekannt, die auf das nächste Schuljahr in Kraft treten. So können die Schulen des Zyklus 3 die Lektionenzahl in «Wirtschaft, Arbeit Haushalt» (WAH) und «Berufliche Orientierung» (BO) flexibel verteilen. Die Gesamtanzahl der Lektionen bleibt dabei unverändert. Zudem sind in altersdurchmischten Kleinklassen der Oberstufe begründete Abweichungen von der Lektionentafel möglich, um den Unterricht im Klassenverband besser zu ermöglichen. Die Anzahl Lektionen des Wahlfachs «Technisches und Textiles Gestalten» (TTG) wird im zweiten Jahr der Oberstufe ausgebaut auf bis zu drei Wochenlektionen.

KLV SG für geplante Änderungen

Der KLV St. Gallen begrüsst die Entscheide der St. Galler Regierung. «Die pädagogisch fragwürdige Trennung der Klassen im Fach ERG wird damit rückgängig gemacht. Somit kann ein Fach, das die Bezeichnung "Gemeinschaft" bereits im Namen trägt, im Klassenverband unterrichtet werden», schreibt das Präsidium des KLV auf Anfrage. Diese mache gerade auch deshalb Sinn, da im Fach ERG viele Themen aufgegriffen würden, die unbedingt mit allen Schülerinnen und Schülern einer Klasse behandelt werden sollten. Ebenso begrüsst der KLV die Flexibilisierung der Stundentafel bei den Fächern BO und WAH: «Dies gibt den einzelnen Schulen mehr Gestaltungsmöglichkeiten.» Der KLV sei überzeugt, dass mit den gefällten Entscheiden die Rahmenbedingungen zum Lehrplan Volksschule im Kanton St. Gallen deutlich verbessert werden.

Datum

25.11.2020

Autor
Deborah Conversano

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