Chancengleichheit
Coronavirus
Gesundheit von Lehrpersonen
Lehrermangel

Medienkonferenz LCH und SER zum Schulstart

Am 10. August 2020 haben die Lehrpersonenverbände der Deutsch- und Westschweiz, LCH und SER, in Bern erstmals eine gemeinsame Medienkonferenz zum Schulbeginn abgehalten. LCH und SER zeigten sich überzeugt, dass die Erfahrungen mit den Chancen und Risiken des Coronavirus auch in diesem Schuljahr nachhallen werden.

Das Coronavirus ist noch immer da. Diese Tatsache bewegte die beiden Lehrpersonenverbände der Deutsch- und Westschweiz, der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH und das Syndicat des enseignants romands SER, dazu, erstmals eine gemeinsame Medienkonferenz zum Schulbeginn durchzuführen. An dieser forderten sie die politischen und schulischen Entscheidungsträger dazu auf, die richtigen Schlüsse und Lehren aus der Coronakrise zu ziehen. «Wir wollen diese ausserordentliche Lage nutzen und ins neue Schuljahr blicken», sagte Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin LCH, in Bern zur Einleitung, nachdem Samuel Rohrbach, Präsident SER, die Anwesenden begrüsst hatte.

Zusätzliche Unterstützung
Für den Blick in ein neues Schuljahr mit dem Coronavirus stützten sich die Verbände auf die Erfahrungen und Konsequenzen, die aus dem Notfall-Fernunterricht gezogen werden müssen. Diesbezüglich ging Franziska Peterhans, Zentralsekretärin LCH, auf die Leistungsunterschiede von bildungsnahen und bildungsfernen Schülerinnen und Schülern ein. Diese wurden während des Lockdowns verschärft: «Einerseits gibt es Kinder, die in guten familiären Situationen mit viel Unterstützung und der nötigen Ausrüstung vom Fernunterricht profitiert haben. Andererseits gibt es aber auch Kinder, die mit dem Fernunterricht nicht klargekommen sind.» Dies liege nicht an ihnen selbst, sondern an den Umständen. Umso mehr würden nun Ressourcen benötigt, um diese Kinder gezielt zu unterstützen. «Wir müssen diese Unterschiede auffangen», betonte Peterhans.

Gesundheit schützen
Die Coronakrise und die notwendigen Schutzmassnahmen hätten ausserdem aufgezeigt, dass Schulen ein betriebliches Gesundheitsmanagement benötigten, so Dagmar Rösler. Deshalb forderten LCH und SER, dass auf das Schuljahr 2020/21 hin eine Ausbildung für Gesundheitsschutzbeauftragte eingerichtet wird und entsprechende Stellen an Schulen eingeführt werden. Das Gesundheitsmanagement betrifft gemäss den Verbänden aber nicht nur Schutzmassnahmen für Lehrende und Lernende gegen das Coronavirus, sondern generell Massnahmen zum Schutz der Gesundheit. «Es ist uns wichtig, dass Lehrpersonen nicht aufgrund von Überbelastungen oder vorzeitiger Erkrankungen unseren Beruf verlassen», betonte Rösler.

Technische Ausstattung
Die Rückmeldungen zum Notfall-Fernunterricht, die Lehrpersonen an den LCH richteten, waren überwiegend positiv. Die Lehrpersonen stellten innert kürzester Zeit auf Fern- und damit digitalen Unterricht um. Dennoch sehen LCH und SER Nachholbedarf in Bezug auf die technische Ausstattung von Lehrenden und Lernenden. «Lehrpersonen konnten nicht immer direkt mit Schülerinnen und Schülern kommunizieren, da seitens der Lehrenden oder Lernenden die notwendigen Geräte dafür fehlten», bemängelte Beat A. Schwendimann, Leiter Pädagogische Arbeitsstelle LCH. «LCH und SER bitten deshalb die Behörden, Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler mit zeitgemässen Geräten auszustatten.» Darüber hinaus sollten Lehrpersonen wie andere Arbeitnehmende eine Erstattung dafür erhalten, wenn sie ihre privaten Geräte für ihre Arbeit verwendet hatten.

Fachpersonal gesucht
Da das Coronavirus die Schulen auch im Schuljahr 2020/21 vor Herausforderungen stellen wird und der Personalmangel an Schulen nach wie vor kritisch ist, forderten LCH und SER von den politischen und schulischen Entscheidungsträgern die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen. «Wir sprechen von qualitativem Lehrermangel», sagte Franziska Peterhans und bat die anwesenden Journalisten darum, Aussagen von Bildungsdirektionen bezüglich des Lehrpersonenmangels nicht unreflektiert zu übernehmen. Nur weil diese alle Stellen besetzen konnten, heisse das nicht, dass all diese Personen am besten dafür geeignet seien. «Die Anstellungsbedingungen müssen in einigen Kantonen verbessert werden», betonte sie. (Fotos: Anna Walser)

Datum

10.08.2020

Ort
Bern

Autor
Anna Walser

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