Die Resultate der Überprüfung der Grundkompetenzen (ÜGK) 2024 zeigen am Ende des vierten Schuljahres (nach Harmoszählung) ein differenziertes Bild. Erfreulich ist, dass Knaben und Mädchen in der Schulsprache und in der Mathematik weitgehend vergleichbare Leistungen erzielen. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse aber auch auf bestehenden Handlungsbedarf hin. Zur Sicherung der Chancengerechtigkeit sind Bund und Kantone gefordert in die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zu (FBBE) investieren. Ebenso ist eine durchgehende Sprachförderung erforderlich.
Die Überprüfung der Grundkompetenzen dient als zentrales Instrument des nationalen Bildungsmonitorings. Sie erfasst, zu welchen Anteilen die Lernenden die nationalen Bildungsziele des Harmos-Konkordats erreichen. Die Resultate der Erhebung 2024 weisen aus, dass schweizweit 76 Prozent der Lernenden am Ende des vierten Schuljahres die Mindestanforderungen in Mathematik erfüllen. In der Schulsprache erreichen 87 Prozent die Grundkompetenzen im Hören und 79 Prozent im Lesen.
Die Erkenntnisse verdeutlichen erneut eine starke Abhängigkeit der schulischen Leistungen von der sozialen Herkunft, der Familiensprache und dem Migrationshintergrund. Das Risiko, die mathematischen Grundkompetenzen nicht zu erlangen, ist für sozial benachteiligte Lernende 3,5-mal so hoch wie für privilegierte; bei der Schulsprache 3,8-mal. Besonders kritisch ist die Situation, wenn mehrere Faktoren (Migration, Fremdsprachigkeit, tiefer sozioökonomischer Status) zusammentreffen: In diesen Fällen sinkt die Quote zur Erreichung der Grundkompetenzen auf nur 50 Prozent der Lernenden.
Die Beherrschung der Grundkompetenzen bildet die unverzichtbare Basis für die weitere Bildungslaufbahn. Lernrückstände am Ende des ersten Zyklus stellen eine Hypothek dar, die den weiteren Schulerfolg und die Berufswahl belasten. Bildungsgerechtigkeit bedeutet, ungleiche Voraussetzungen durch gezielte, individuelle Förderung auszugleichen. Um den Kreislauf der sozialen Vererbung zu durchbrechen, stehen Politik, Wirtschaft und Schulen gemeinsam in der Pflicht, die notwendigen Ressourcen und Massnahmen bereitstellen.
Positionen des LCH
Chancengerechtigkeit konsequent verbessern Der Bildungserfolg in der Schweiz hängt weiterhin stark von der sozialen Herkunft ab. Der LCH setzt sich dafür ein, das Schweizer Bildungssystem gemäss den Zielen der Chancengerechtigkeit auszurichten. Da die Chancengerechtigkeit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, erfordert dies eine koordinierte Zusammenarbeit der Bildungs-, Integrations-, Sozial-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik.
Lückenloser Ausbau der frühen Kindheit und Familienunterstützung Die ersten vier Lebensjahre prägen die kindliche Entwicklung massgeblich. Der LCH fordert einen dezidierten Ausbau der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Die Politik soll departementsübergreifende Rahmenkonzepte anstreben, um qualitativ hochstehende Angebote flächendeckend bereitzustellen und zu finanzieren. Diese Angebote sollen für alle Kinder ungeachtet ihrer sozioökonomischen Herkunft zugänglich sein. Investitionen in den Frühbereich lohnen sich für den Staat durch höhere Bildungsabschlüsse und eine verringerte Belastung der Sozialwerke.
Sprachförderung als Querschnittsaufgabe Die frühe Sprachförderung benötigt verstärkte politische Anstrengungen, da Sprache die Basis für den schulischen Lernerfolg bildet. Der LCH fordert eine konsequente Sprachförderung, die vor dem Kindergarteneintritt ansetzt und über alle Zyklen hinweg fortgesetzt wird. Sobald ein Kanton eine selektiv-obligatorische Sprachförderung verordnet, muss dieses Angebot gemäss Artikel 19 der Bundesverfassung als Teil des ausreichenden Grundschulunterrichts für die Erziehungsberechtigten unentgeltlich sein.