Zu Beginn des nationalen Forschungsprogramms «Digitale Transformation» (NFP77) dominierte der Veränderungsdruck: 2018 wurde von Schulen erwartet, dass sie rasch digital aufrüsten, um den Anschluss nicht zu verpassen. Mit den Jahren hat sich die Erwartung grundlegend gewandelt. Spätestens die Pandemie erzwang einen Digitalisierungsschub. Dieser deckte jedoch rasch die Grenzen der Tools auf: Ohne Didaktik blieben Lerneffekte aus.
Parallel wuchsen Zweifel an den Risiken eines zu frühen Bildschirmeinsatzes für Konzentration und Sprache – besonders auf der Primarstufe. Mit dem Aufkommen der generativen künstlichen Intelligenz (KI) wandelte sich der Diskurs vom Bereitstellen technologischer Infrastruktur hin zur Frage, wie sinnvoll der Einsatz digitaler Hilfen ist.
Nicht Technikgläubigkeit entscheidet über Unterrichtsqualität, sondern souveräne Fachpersonen.
Nun fasst ein Bericht zum NFP77 die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Er mahnt: Man dürfe Algorithmen nicht «blind vertrauen», sondern müsse ihren Einsatz reflektiert steuern. Die Lehrperson bleibe die zentrale pädagogische Instanz. Aus den insgesamt 46 Forschungsprojekten des Programms stechen vier Befunde hervor:
1. Aktives Lernen
Passiver Bildschirmkonsum verpufft wirkungslos. Erst wenn digitale Medien für aktive, konstruktive und interaktive Lernaktivitäten genutzt werden, können sie den Lernerfolg steigern.
2. Formell fortbilden statt probieren
Neue Technologien werden besser in den Unterricht integriert, wenn die Lehrpersonen formale Weiterbildungen besuchen. Eigenständiges Probieren sei weniger effektiv. Zudem müssen Lehrpersonen Daten interpretieren können, um Schülerinnen und Schüler basierend auf den Lehranalysen der Tools zu fördern.
3. Führung und Mentoring
Transformation ist Führungsaufgabe. Schulleitungen können die Medienkompetenzen ihres Teams mit klaren Visionen stärken. Berufseinsteigende benötigen gezieltes Mentoring, um den Erwerb digitaler Kompetenzen für die Praxis zu erleichtern und Stress zu reduzieren.
4. Kritische Reflexion
Medienbildung darf sich nicht in Funktionalität erschöpfen. «Computational Thinking» setzt gefestigte Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen voraus. Erst dann kann ein reflektierter Umgang mit KI das Lernen fördern.
Herzstück der Schule bleibt
Der Bericht ist eine empfehlenswerte Lektüre, die wertvolle Impulse für digitale Transformation der Schule liefert. Online ergänzt ein Chatbot die interaktive Darstellung. Der Bericht bringt eine willkommene Erkenntnis: Guter Unterricht verlangt keinen Dauereinsatz von Bildschirmen.
Die Befunde stärken Lehrpersonen darin, digitale Tools als Lehr- und Lernwerkzeuge dosiert und gezielt einzusetzen. Wo analoge Zugänge didaktisch überlegen sind, behalten Papier, Handschrift und reales Experimentieren klaren Vorrang. Zwischenmenschliche Beziehungen und ethische Urteilskraft bleiben das Herzstück der Schule.
Der Bericht blickt auch in die Zukunft. Diese bringe strukturierte Ökosysteme für Bildungstechnologien, offene Plattformen und der Einbezug von Lehrpersonen bei der Entwicklung von Software. Es sei zu erwarten, dass künftig Mensch und KI vermehrt gemeinsam im Team arbeiten.
In der Praxis zeichnet sich zudem der Wandel von generativer KI als Schreibwerkzeug hin zum Lernassistenten. Dieser liefert keine fertigen Lösungen, sondern fordert durch dialogische Fragen. Als Gegentrend entsteht eine Renaissance des Analogen: Da KI Texte im Überfluss liefert, gewinnen mündliches Debattieren, Handschrift und reales Experimentieren als Ausweis eigener Urteilskraft an Wert. Der Bericht zum NFP77 stärkt Lehrpersonen den Rücken: Nicht Technikgläubigkeit entscheidet über Unterrichtsqualität, sondern souveräne Fachpersonen, die digitale Hilfsmittel dosieren und den Menschen ins Zentrum stellen.

