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Wellenbrecher

In ihrer Neujahrsbotschaft schaut Zentralpräsidentin LCH Dagmar Rösler zurück. Um eines gleich vorwegzunehmen: Da war noch mehr als Corona. Themen wie der Personalmangel an Schulen werden uns zudem auch 2022 beschäftigen.

«Wellenbrecher» wurde das deutsche Wort des Jahres 2021. Das Lexikon weiss Folgendes dazu: «Wellenbrecher haben im Wasserbau vor allem eine Schutzfunktion: Sie verhindern die Zerstörung von Booten und Ufern, indem sie die Energie der Wellen durch Dissipation umwandeln.» 

Kein einheitliches Vorgehen der Kantone 

Es ist naheliegend, weshalb gerade diese Wortschöpfung die hohe Auszeichnung erhalten hat. Denn mit Blick in den Rückspiegel hat es im vergangenen Jahr tatsächlich so einige Wellen zu brechen gegeben. Im Herbst glaubten wir, grosse Coronawellen hinter uns gelassen zu haben. Wir wurden schnell und gnadenlos – gerade in Bezug auf die Schulen – eines Besseren belehrt. Mit dem Virus stecken sich auch junge Menschen an, was sich durch hohe Fallzahlen in den Schulen bemerkbar gemacht hat. Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern standen erneut vor grossen Herausforderungen. Vielleicht hätte man es schaffen können, diese fünfte Welle in den Schulen durch eine koordinierte, nationale Teststrategie in den Griff zu bekommen oder zumindest frühzeitig abzuschwächen. Leider waren aber Ende November 17 von 24 Kantonen trotz deutlichen Zeichen von Seiten des Bundesrats nicht bereit für ein einheitliches Vorgehen in dieser Sache. 

Qualitative Anforderungen weniger gefragt 

Im übertragenen Sinn bräuchte es auch in Bezug auf den Personalmangel an den Schulen Wellenbrecher. Ob es dazu wohl jemals eine nationale Strategie geben wird? Die Lage in den Schulen spitzt sich nicht erst seit Corona deutlich zu! Schulleitungen zeichnen – zu Recht – ein düsteres Bild: Nur wenige bis keine adäquat ausgebildeten Lehrpersonen bewerben sich auf freie Stellen. An eine Auswahl ist nicht mehr zu denken. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, wo es an vielen Orten hauptsächlich und notgedrungen darum geht, die Stelle besetzt zu bekommen. Qualitative Anforderungen rücken in den Hintergrund. Handeln ist aufs Dringendste angezeigt! 

In der Coronakrise wiegt der Personalmangel besonders schwer. Hier kann man deutliche Parallelen zum Gesundheitssektor erkennen: Fallen Lehrpersonen krankheitshalber aus, findet man an vielen Orten kurzfristig keine Stellvertretungen mehr, die einspringen können. Alle sind bereits im Einsatz. Dies bedeutet, dass die Teams zusätzlich zum eigenen Pensum untereinander dafür sorgen müssen, dass sich möglichst keine Unterrichtslücken für Schülerinnen und Schüler ergeben. Es ist also allerhöchste Zeit, konkrete Schutzvorkehrungen zu treffen. 

Etappenerfolg für vergünstigte Tageskarten 

Eine positive Welle rollt dafür verbandsintern an. Das Projekt Zusammenschluss von LCH und SER kam einen entscheidenden Schritt vorwärts. Wohl stehen noch einige Herausforderungen an. Die Einsicht und die Überzeugung, dass man mit vereinten Kräften in die Zukunft gehen will, sind jedoch deutlich spürbar. Dass ein gemeinsames Vorgehen von Vorteil ist, hat sich beispielsweise im Zusammenhang mit den Forderungen von LCH und SER rund um die vergünstigten Tageskarten für Schulklassen gezeigt. Seit 1. Januar 2022 kostet eine Schultageskarte im GA-Gültigkeitsbereich 15 Franken – ein wichtiger Zwischenerfolg auf dem Weg zur Fünfliber-Tageskarte, die zurzeit im Parlament behandelt wird. Unser Ziel rückt in greifbare Nähe! 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich danke euch einmal mehr herzlich für euren wichtigen und unschätzbaren Einsatz in der Schule. Auch euch ist das deutsche Wort des Jahres 2021 gewidmet! Lehrerinnen und Lehrer leisten seit Jahren in ihrer Funktion als Wellenbrecher einen unentbehrlichen gesellschaftlichen Beitrag. Nicht auszudenken, was wäre, wenn euer tägliches Engagement wegbrechen würde. Ich wünsche euch von Herzen ein glückliches neues Jahr! 

Datum

04.01.2022

Autor
Dagmar Rösler

Publikation
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