Messungen aus der Praxis zeichnen ein alarmierendes Bild: Bereits am Mittag sind in Schulzimmern an Sommertagen Temperaturen von 30 Grad Celsius möglich. Nachmittags wurden Spitzenwerte von bis zu 42 Grad Celsius gemessen. Für Kinder sind solche Temperaturen besonders belastend, da sie weniger schwitzen als Erwachsene. Im Schulbetrieb leiden aber auch Erwachsene unter solchen Arbeitsbedingungen: Besonders schwangere Lehrerinnen sowie ältere oder gesundheitlich vorbelastete Lehrpersonen sind gefährdet. Da sich Hitzetage in der Schweiz mittlerweile häufen, fordert der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) Bund und Kantone zum Handeln auf.
Er empfiehlt, für den regulären Unterricht einen verbindlichen Grenzwert in Innenräumen festzulegen. Nach reichlicher Prüfung setzt der LCH diesen bei 26 Grad Celsius an. Dabei handelt es sich um einen kritischen Schwellenwert für die kognitive Leistungsfähigkeit, wie er in seinem neuen Positionspapier «Wirksamer Hitzeschutz an Schulen» schreibt. Studien zeigten, dass die Konzentration und Produktivität ab 26 Grad Celsius messbar abnehmen. Viele Schweizer Schulbauten sind für Hitzetage nicht gerüstet. Schulgebäude und Aussenbereiche müssen darum hitzetauglich werden. Sanierungen seien unumgänglich.
Passiv vor aktiv
Dort, wo Massnahmen nötig sind, setzt der LCH auf das Prinzip «passiv vor aktiv». Massnahmen wie Beschattung, Nachtauskühlung, Begrünung sind zu bevorzugen. Reichen diese Ansätze nicht aus, sollen Schulen auf aktive Raumkühlung ausweichen können. Bei Neubauten und Sanierungen müsse passiver Hitzeschutz verpflichtend sein, empfiehlt der Berufsverband. Zudem pocht der LCH darauf, dass Schulträger standardmässig Messungen in Lernräumen erheben. Dabei soll nicht nur die Temperatur, sondern auch die relative Luftfeuchtigkeit und der Kohlendioxid-Gehalt der Luft gemessen werden. Wie Beat A. Schwendimann, Leiter Pädgagogik des LCH, an der Präsidienkonferenz vom 26. April 2026 ausführte, fehle es derzeit an nationalen Daten. Erst, wenn diese systematisch erhoben würden, könnte man entsprechende Massnahmen fordern.
An der Präsidienkonferenz gab insbesondere der verbindliche Stufenplan für den Schulbetrieb zu reden. Der LCH schlägt einen dreistufigen Plan vor, wobei die letzte Stufe (30 bis 40 Grad Celsius) vorsieht, körperlich und kognitiv anstrengende Aktivitäten einzuschränken. Je nachdem soll sogar der reguläre Unterricht eingestellt werden. «Hitzefrei» mit Heimschicken der Kinder ist aufgrund der Aufsichts- und Obhutspflicht rechtlich jedoch nicht möglich. Einige Mitgliederorganisationen wünschten angesichts der häufigeren und extremeren Hitzetagen sogar eine Stufe 4 (ab 40 Grad Celsius). Der Antrag kam in der Abstimmung jedoch nicht durch. Das Papier wurde an der Präsidienkonferenz auf der Basis von drei Stufen gutgeheissen.
