Ab welcher Schulstufe soll eine Fremdsprache unterrichtet werden? Priorisiert die Volksschule eine Landessprache oder Englisch und wie intensiv soll unterrichtet werden? Zu diesen Fragen sind in fast allen Deutschschweizer Kantonen Vorstösse eingereicht oder überwiesen worden.
Befeuert haben die Diskussion die ernüchternden Ergebnisse der Überprüfung der Grundkompetenzen. Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) nahm diese Resultate mit Sorge zur Kenntnis. Er forderte die Kantone zu einer sorgfältigen Analyse auf.
Ich bin überzeugt, dass die sprachliche und kulturelle Vielfalt eine Stärke der Schweiz ist und gefördert werden muss.
Bisher sind keine Resultate vorhanden. Stattdessen wird die Polemik um das Thema immer lauter und verschiedenste Szenarien stehen kantonal und national im Raum. Der LCH lancierte eine Arbeitsgruppe zum Thema. Neben dem internen Austausch fanden auch Gespräche mit unserem Westschweizer Partnerverband SER statt.
Aktuelle Praxis überdenken
Erste Erkenntnisse verdeutlichen eine kritische Haltung gegenüber der aktuellen Praxis und weisen eindeutig darauf hin, dass die pädagogischen, didaktischen und organisatorischen Rahmenbedingungen des Fremdsprachenunterrichts überdacht werden müssen. Dies stets mit dem Fokus auf die Schülerinnen und Schüler. Mögliche Anpassungen müssen aber gut durchdacht sein.
In diesem Zusammenhang ist die Erklärung der Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) zu begrüssen, wonach innerhalb des bestehenden rechtlichen Rahmens die Spielräume genutzt werden sollen.
Der LCH fordert seit Jahren, dass die gesetzlichen Spielräume besser genutzt werden. Dazu gehört, die zweite Landessprache in einen stärkeren Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler setzen, Austauschformate zwischen den Sprachregionen stärken, den Halbklassenunterricht stärken oder die Anforderungen auf realistische Ziele zu reduzieren.
Eine Stärke der Schweiz
Auch die Bewertung und Promotionsrelevanz sollte geklärt werden. Damit die Rahmenbedingungen angepasst werden können, braucht es den politischen Willen und die notwendigen Mittel. Andernfalls wäre es zielführender, nur noch eine Fremdsprache auf Primarstufe zu unterrichten. In diesem Fall sollte dies eine zweite Landessprache sein.
Als langjährige Lehrerin an der Scola Bilingua in Chur im dreisprachigen Kanton Graubünden bin ich überzeugt, dass die sprachliche und kulturelle Vielfalt eine Stärke der Schweiz ist und gefördert werden muss. Dabei ist klar: Die Haltungen bezüglich des Fremdsprachenunterrichts hängen meist direkt mit der geografischen Lage des Wohnortes zusammen. Für die laufende Debatte ist darum das Bewusstsein wichtig, dass es für eine fundierte Lösung genügend Zeit braucht.
