Hitzewellen sind eine Herausforderung. Draussen flimmert die Luft, der Aufenthalt im Freien wird zur Belastungsprobe. In Schulhäusern ist die Lage oft nicht weniger herausfordernd: Man will sich wenig bewegen, möglichst wenig Energie verbrauchen – sich zu konzentrieren ist schwierig, für Schülerinnen und Schüler wie auch für Lehrpersonen.
Anlässlich der letzten Hitzewelle von Ende Juni blieben die Schlagzeilen nicht aus: «Hitzefrei bleibt ein Traum», «Schulen kürzen Unterricht», «Weitere Schulen reduzieren den Betrieb». Sobald das Thermometer ansteigt, wird auch die Debatte in den Medien immer hitziger geführt. Dabei stehen Fragen im Zentrum, wie: Wann ist es zu heiss? Wer entscheidet darüber? Welche Schule reagiert richtig?
Der Schutz vor Hitze darf nicht dem Zufall, dem Engagement einzelner Schulen oder der Finanzkraft einer Gemeinde überlassen werden.
Damit diese Diskussionen nicht in der sprichwörtlichen Hitze des Gefechts geführt werden müssen, hat der LCH ein Positionspapier erarbeitet. Es trägt den Titel «Zu heiss zum Lernen: Wirksamer Hitzeschutz an Schulen» und hält fest, dass extreme Hitze längst kein Ausnahmephänomen mehr ist. Sie wird zum wiederkehrenden Faktor im Schulalltag – und damit zu einer Frage des Gesundheits- und Bildungsauftrags.
Überhitzte Klassenzimmer kein Komfortproblem
Vor einigen Jahren reichte es noch aus, die Schulen auf die Sommerferien zu vertrösten oder behelfsmässige Massnahmen zu ergreifen. Diese Zeiten sind vorbei. Was heute noch als improvisierte Lösung durchgeht, darf morgen nicht Normalität sein. Es braucht einen verbindlichen Plan, der noch immer vielerorts fehlt.
Denn Schule muss auch bei Hitze funktionieren – für Kinder und Jugendliche genauso wie für Lehrpersonen. Überhitzte Klassenzimmer sind kein Komfortproblem. Sie beeinträchtigen Konzentration, Wohlbefinden und die Qualität des Lernens. Der LCH fordert deshalb einen systematischen Hitzeschutz mit klaren Standards, Messungen und einem verbindlichen Vorgehen. Dazu gehört auch eine Obergrenze von 26 Grad: Fällt die Temperatur darüber, soll in Innenräumen kein regulärer Unterricht mehr stattfinden, denn ab diesem Schwellenwert nehmen Konzentration und Produktivität messbar ab.
Damit fordert der LCH nicht die Wiedereinführung von Hitzefrei. Gefragt ist ein vorausschauender Masterplan: Mehr Beschattung, stärkere Begrünung, Nachtauskühlung und geeignete Bauweisen müssen zum Standard werden. Wo solche passiven Massnahmen nicht ausreichen, braucht es punktuell aktive Lösungen wie Kühlsysteme.
Der Schutz vor Hitze darf nicht dem Zufall, dem Engagement einzelner Schulen oder der Finanzkraft einer Gemeinde überlassen werden. Denn die nächste Hitzewelle kommt bestimmt.
