Der Mangel an Lehrpersonen hat Spuren hinterlassen. Heute hat jede zehnte Person, die im Kanton Bern unterrichtet, kein Lehrdiplom. Bei Speziallehrkräften sind die Lücken noch eklatanter. Für den kantonalen Lehrpersonenverband Bildung Bern ist klar, dass sich dies wieder ändern muss. Am 5. August hat er den Abstimmungskampf für die Berner Bildungsinitiative, die Bildungsqualität in der Kantonsverfassung verankern will, eröffnet.
«Warnsignale sind unübersehbar.»
Die Fähigkeiten in Sprache und Mathematik von Jugendlichen sänken, sagte Geschäftsführer Stefan Wittwer vor den Medien. Der Kanton Bern entferne sich gar vom nationalen Ziel, dass 95 Prozent von ihnen eine Ausbildung auf Sekundarstufe II schafften. «Die Warnsignale sind unübersehbar.»
Bildung sei kein Kostenfaktor, so Wittwer weiter. Bildung sei viel mehr die wichtigste Investition, die man als Gesellschaft tätigen könne. Man müsse nun Leute, die quer in den Beruf eingestiegen seien, bei einer berufsbegleitenden Weiterbildung unterstützen. Wichtig sei auch, dass sich Lehrpersonen auf das Unterrichten konzentrieren könnten und von administrativen Aufgaben entlastet würden. Denn im Zentrum der Bildungsqualität stünden gute Lehrpersonen.
Bildung ist «wie Brot ein Grundnahrungsmittel»
Für Bildung Bern ist die Volksinitiative ein Novum – und ein Kraftakt: 15'000 Unterschriften mussten im Vorfeld gesammelt werden. Am 27. September kann nun das Berner Stimmvolk darüber abstimmen, ob Bildungsqualität in der Verfassung verankert werden soll.
Der Verband hat bereits über 150 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewonnen, die das Anliegen namentlich unterstützen. Der Berner Unternehmer Peter Stämpfli tat dies gar im Rahmen der Medienkonferenz: «Bildung ist kein Luxusgut», sagte er. Sie sei viel mehr wie Brot ein Grundnahrungsmittel.
Gute Bildung sei wichtig für die Wirtschaft, für die Chancengleichheit der Kinder und für eine lebendige Demokratie, schreibt der Kantonalverband in seiner Medienmitteilung.
Breit angelegte Kampagne
Die bevorstehende Abstimmungskampagne wird intensiv. Sie baut auf Flyer, die in jedem Briefkasten landen werden, Plakaten und Onlinewerbung. Neun Regionalkomitees tragen das Anliegen in den ganzen Kanton hinaus. Viele Organisationen unterstützen sie dabei, derweil haben sich die Kantonsregierung und der Handels- und Industrieverein des Kantons dagegen positioniert.
