Standpunkt-Kolumne

Das Smartphone gehört nicht in die Umkleidekabine

Jugendliche meiden die Dusche nach dem Sportunterricht. Sie befürchten ungewollte Nacktaufnahmen. Für LCH-Geschäftsführerin Antoinette Killias steht fest: Das Smartphone muss aus der Umkleidekabine verbannt werden.

Antoinette Killias, LCH-Geschäftsführerin, findet, dass die Privatsphäre von Schülerinnen und Schülern besser geschützt werden muss. Foto: Gion Pfander

Drei von fünf Kindern und Jugendlichen duschen nach dem Sportunterricht nicht mehr. Dies ergab eine vom Schweizerischen Verband für Sport in der Schule (SVSS) in Auftrag gegebenen Umfrage unter seinen Mitgliedern. Dafür gibt es laut Einschätzung der Sportlehrerinnen und -lehrer zwei Gründe. Einerseits schämen sich 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler beim Duschen. Andererseits befürchten sie, dass ungewollte Nacktaufnahmen von ihnen gemacht und verbreitet werden.

Was kann man dagegen tun? In seiner Umfrage, wo man sich auf bauliche Massnahmen fokussiert hat, kommt der SVSS zu einem klaren Schluss. Er fordert, dass bei Neu- und Umbauten von Sportanlagen auch Einzelduschen vorhanden sind für Kinder und Jugendliche, die nicht in die Gemeinschaftsdusche wollen. Das ist eine Forderung, die den Nerv der Zeit trifft. Mehrere Rückmeldungen von Eltern beim SVSS-Vorstand bestätigen dies.

Lebensphase mit vielen Unsicherheiten

Manche mögen solche Massnahmen als Überreaktion abtun. Auch ich erinnere mich an meine Schulzeit und daran, dass das gemeinsame Duschen nach dem Sport zu keinerlei Irritation geführt hat. Es gehörte diskussionslos zum Sportunterricht. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur orientieren sich Jugendliche immer mehr an Körperidealen, die sie mit noch so viel Disziplin nicht erreichen werden. Dies, in einer Lebensphase, in der man ohnehin mit vielen Unsicherheiten zu kämpfen hat.

Artikel zur Umfrage des SVSS auf bildungschweiz.ch: «Aus Angst und Scham bleibt die Dusche oft unbenutzt»

Weitreichender ist aber das Problem mit den Smartphones. Denn hier geht es nicht um die persönliche Unzufriedenheit mit dem Körper, sondern um das Erstellen und Verbreiten von intimen Aufnahmen. Laut Angaben der Sportlehrpersonen dürfen rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Smartphone mit in die Umkleidekabine nehmen. Ein Ort, wo Lehrpersonen zu Recht keine Aufsicht ausüben.

Dass Kinder und Jugendliche ständig befürchten müssen, heimlich gefilmt zu werden, ist ein Missstand, dem wir uns annehmen müssen.

 

Dass Kinder und Jugendliche ständig befürchten müssen, heimlich gefilmt zu werden, ist ein Missstand, dem wir uns annehmen müssen. Die einzig richtige Lösung ist ein konsequentes Smartphone-Verbot in Umkleidekabinen. Die Sportlehrperson könnte sie im Vorfeld einziehen. Ist dies nicht möglich, und die Schule mit ihren Aufbewahrungsboxen zu weit entfernt von der Turnhalle, braucht es auch in der Turnhalle solche Boxen. Wie dieses Problem genau gelöst wird, müssen die Schulen für sich entscheiden. Klar ist aber, es besteht Handlungsbedarf.

Der «Standpunkt» ist eine Kolumne der Geschäftsleitungsmitglieder des LCH. Die Aussagen geben die persönliche Meinung der einzelnen Autorinnen und Autoren wieder.

Datum

18.03.2026

Autor
Antoinette Killias

Publikation
Standpunkte