Berufsbildung
Berufsfachschule
Fremdsprachen

Reform «KV 2022» neu «KV 2023»

Die Reform «Kaufleute 2022» lässt die Emotionen seit einigen Monaten hochkochen. Zu viele Punkte des neuen Modells stehen in der Kritik. Mit einer Verschiebung der Einführung auf 2023 und dem neuen Fremdsprachenkonzept wurde nun auf zwei Kritikpunkte reagiert.

Die Reform «Kaufleute 2022» unterzieht die kaufmännische Grundbildung einer Totalrevision. Ziel ist es, das KV weiterzuentwickeln, damit die künftigen Fachkräfte fit für die Zukunft bleiben. Neu sollen – in Anlehnung an den Lehrplan 21 – Kompetenzen statt Fachwissen vermittelt werden. Diese und weitere Änderungen haben in den vergangenen Monaten für viel Kritik gesorgt. Bedenken hatten viele Seiten auch wegen des engen Zeitplans. Darauf hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Anfang Juni reagiert und entschieden, die Reform «Kaufleute 2022» erst 2023 einzuführen.

Zu wenig Zeit und zu wenig Fremdsprachen

Im April hatte das SBFI eine Vernehmlassung zu den Entwürfen der Reform durchgeführt. Auch der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) nahm daran teil. Er befürchtete, dass eine Umsetzung der Reform bis Sommer 2022 mit Qualitätsverlusten einhergehe. Mit dem jüngsten Entscheid des SBFI hat der LCH eine Sorge weniger. In den Entwürfen war ausserdem vorgesehen, dass Lernende die zweite Landessprache abwählen können. Der LCH sah damit eine reelle Gefahr, dass kaum mehr Schülerinnen und Schüler eine zweite Landessprache wählen würden. 

Aufgrund dieser Anhörung hat Bundespräsident Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF), ein neues Fremdsprachenkonzept genehmigt. Dieses sieht vor, dass alle Lernenden zwei Fremdsprachen belegen. Somit ist gesichert, dass neben Englisch auch eine zweite Landessprache vermittelt wird. «Dies wird für die Lehrpersonen im Zyklus 2 und 3 erfreulich sein und sie motivieren, weiterhin viel Engagement in den Unterricht der Landessprachen zu investieren», sagt Vizepräsident LCH Samuel Zingg zu diesem Entscheid. Das KV sei der wichtigste und grösste Abnehmer im Übergang von der Sekundarstufe I zur Sekundarstufe II und schliesslich hätten Lehrpersonen in der Volksschule viel für die Landessprachen investiert.

Hoffnung auf besseren Austausch

In den Entwürfen vermisste der LCH zudem eine Verankerung der lehrbegleitenden Berufsmaturität (BM1). «Falls die Berufsmaturität mit der kaufmännischen Ausbildung nicht mehr so kombiniert werden kann wie bisher, sind negative Auswirkungen auf den Stellenwert der kaufmännischen Lehre zu erwarten», schrieb der Dachverband in seiner Vernehmlassungsantwort. Auch diese Anregung wurde gehört, nahmen doch die Eidgenössische Berufsmaturitätskommission und das SBFI das Konzept für die BM1 an.

Damit wurde auf drei wichtige Kritikpunkte reagiert. Wie die NZZ diese Woche treffend schrieb, muss jedoch auch die Kommunikation zwischen den Fachleuten, den Lehrpersonen und den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitgeber verbessert werden. Ein Wunsch, den der LCH bereits im April äusserte, da bisher der Einbezug zu wenig stattgefunden habe. Noch seien aber ein paar Fragen offen, wie Samuel Zingg auf Anfrage mitteilt. Neben der Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen sei auch noch nicht geklärt, wie in solch kurzer Zeit Lehrmittel entstehen sollen und wie die Fächerzuteilung zu den Modulen erfolge. 

Datum

16.07.2021

Autor
Anna Walser

Themen