Standpunkt-Kolumne

So schliessen wir die Bildungsschere

Gleich mehrere Bildungsberichte kommen zum selben Schluss: Gute Schulkinder bleiben gut, schlechte werden schlechter. Im Sinn der Bildungsgerechtigkeit muss dieser Trend gestoppt werden, sagt Beat A. Schwendimann, Leiter Fachstelle Pädagogik LCH.

Beat A. Schwendimann, Mitglied der LCH-Geschäftsleitung und Leiter der Fachstelle Pädagogik. Foto: Gion Pfander

Sag mir, wie viel deine Eltern verdienen, und ich sage dir, wie gut du in der Schule bist. In etwa so lassen sich die Ergebnisse zahlreicher nationaler und internationaler Studien zusammenfassen.

Im jüngst erschienenen Unesco-Weltbildungbericht lässt sich beispielsweise nachlesen, wie stark der sozioökonomische Status der Familie den Schulerfolg der Kinder prägt. Lernende aus dem sozioökonomisch schwächsten Viertel sind drei Mal starker gefährdet, die Volksschule mit lückenhaften Grundkompetenzen zu verlassen.

Fachleute sprechen hier vom Matthäus-Effekt: «Wer hat, dem wird gegeben»: Wer privilegiert startet, baut seinen Vorsprung meist weiter aus, Benachteiligte fallen immer weiter zurück. Das widerspricht dem meritokratischen Anspruch, wonach Erfolg auf eigener Leistung, und nicht Herkunft, beruhen soll.

Es braucht departementsübergreifende Massnahmen in Bildung, Gesundheit und Soziales.

 

Die Folgen fehlender Grundkompetenzen reichen weit über die Schule hinaus. Sie führen zu schlechteren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt und schränken die gesellschaftliche Teilhabe ein. Auch die Wirtschaft beklagt fehlende Grundkompetenzen und einen Mangel an Fachkräften. Gleichzeitig wurden aber in mehreren Kantonen Initiativen zur Stärkung der Bildungsqualität abgelehnt.

Voll qualifizierte Personen

Wie weiter? Einige Anpassungen würden das Bildungssystem gerechter machen. So braucht es departementsübergreifende Massnahmen in Bildung, Gesundheit und Soziales. Gemeinsam muss ein flächendeckendes Angebot an vorschulischer Sprachförderung geschaffen werden, um den Grundstein für den Schuleintritt zu legen.

Nach Jahren der Notlösungen müssen künftig alle Rollen in multiprofessionellen Teams wieder mit voll qualifizierten Personen besetzt werden. Auch sollten Deutsch als Zweitsprache, Schulsozialarbeit und Schulische Heilpädagogik auf allen Schulstufen bis in die Sekundarstufe II zur Verfügung stehen.

Schulen benötigen Entlastung: Dies könnte durch eine Entschlackung des Lehrplans geschehen. Hinzu kommt ein Ausbau von Tagesstrukturen mit Aufgabenbetreuung. Letztlich sollen faire Selektionsverfahren und durchlässigere Bildungswege verhindern, dass frühe Weichenstellungen Herkunftsunterschiede zementieren.

Laut Forschung können diese Massnahmen die Schule zu einem gerechteren Ort machen. Genau dafür setzt sich der LCH weiterhin ein.

Der «Standpunkt» ist eine Kolumne der Geschäftsleitungsmitglieder des LCH. Die Aussagen geben die persönliche Meinung der einzelnen Autorinnen und Autoren wieder.

Datum

14.10.2026

Autor
Beat A. Schwendimann

Publikation
Standpunkte