Kommentar

Bei der integrativen Schule passen die Rahmenbedingungen nicht zu den Zielen

Die Umfrage unter über 10'000 Lehrpersonen zur integrativen Schule enthält viel Aufschlussreiches. LCH-Präsidentin Dagmar Rösler nennt fünf Punkte, bei denen die Politik nun handeln muss.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Foto: Marion Bernet

Erstmals wird deutlich, was Lehrpersonen von der integrativen Schule halten. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) befragte seine Mitglieder zu diesem Thema und die Antworten kamen zahlreich: Dank den über 10'000 Lehrpersonen, die uns ihre Haltung anvertraut haben, ist die Umfrage repräsentativ und gibt den Entscheidungsträgerinnen und -trägern der Bildungspolitik sowie der Öffentlichkeit einen Einblick darüber, wie es um die integrative Schule steht.

Was lässt sich aus der Umfrage ableiten? Positiv hervorzuheben ist, dass die Grundidee der integrativen Schule von einer knappen Mehrheit der Lehrpersonen getragen wird. Sie sehen darin eine Chance zur Förderung sozialer Kompetenzen und erleben die Lernfortschritte von Kindern mit besonderem Förderbedarf als bereichernd. Dennoch sind rund 48 Prozent der Befragten skeptisch: Dies ist ein Ausdruck einer erlebten Überlastung durch unzureichende Ressourcen. Was heisst das? Es wird deutlich, dass die strukturellen Rahmenbedingungen und die pädagogischen Ziele derzeit nicht im Einklang stehen, Sie müssen dringend aufeinander abgestimmt werden.

Sobald Kinder mit hohem Förderbedarf integriert sind, sollten Klassen kleiner sein.

Sämtliche Unterlagen wie Medienmitteilung, Redetexte, Positionspapiere wie auch die vollständige Studie finden Sie unter LCH.ch/mediencorner. Zudem lesen Sie hier den Artikel im Verbandsmagazin BILDUNG SCHWEIZ.

Um die Qualität der Bildung langfristig zu sichern, bedarf es Anpassungen. Aus der Studie hat der LCH fünf Anliegen formuliert. Würden diese umgesetzt, wäre der Alltag vieler Lehrpersonen deutlich weniger belastend.

  • Es braucht eine radikale Entschlackung der Bürokratie. Es ist unhaltbar, dass Monate zwischen einem Förderantrag und der tatsächlichen Unterstützung vergehen.
  • Ressourcen müssen flexibel nach pädagogischem Bedarf fliessen und nicht erst nach langwierigen Diagnoseverfahren tröpfchenweise eintreffen.
  • Sobald Kinder mit hohem Förderbedarf integriert sind, sollten Klassen kleiner sein.
  • Es bedarf einer sachlichen politischen Diskussion über die notwendigen Investitionen in gut ausgebildetes Fachpersonal und Zeitressourcen.
  • Auch temporäre, separative Gefässe wie „Schulinseln“ sind nötig, um in herausfordernden Situationen den Regelunterricht zu entlasten.

Die Zukunft der integrativen  Schule hängt massgeblich davon ab, ob es gelingt, die Kluft zwischen pädagogischem Anspruch und den zur Verfügung stehenden Mitteln zu schliessen.

Datum

13.08.2026

Autor
Dagmar Rösler

Publikation
Standpunkte