Artikel

Grosse Unterschiede bei den Schulleitungen

11.06.2019 – Die beiden Schweizer Verbände der Schulleitenden haben ihre jährliche Befragung zur Stellensituation durchgeführt. Sie bestätigt grosse Unterschiede zwischen den Kantonen, zum Beispiel in den Rahmenbedingungen, wie Franziska Peterhans, Zentralsekretärin LCH, in einem Beitrag der «Tagesschau» betonte.

Im Mai 2019 hat der Verband der Schulleitenden VSLCH seine Mitglieder zur Entwicklung der Stellensituation bei den Schulleitenden und den Lehrpersonen befragt. Die Umfrage erfolgte in Zusammenarbeit mit CLACESO, dem Verband der Schulleitenden für die lateinische Schweiz. Die Beteiligung war mit 63,35 Prozent beim VSLCH und 64,5 Prozent bei CLACESO ausserordentlich hoch. Die Ergebnisse bestätigen, dass es sehr grosse Unterschiede bei den Stellensituationen zwischen den Kantonen gibt. So meldeten die Kantone Basel-Stadt, Luzern und Schwyz keinen generellen Mangel an Schulleitenden. Dies im Gegensatz zu den Kantonen Glarus und besonders Bern, die wegen steigender Schülerinnen- und Schülerzahlen und der kommenden Pensionierungswelle auf einen grossen Mangel an Schulleitenden hinsteuern.

Der Stelle treu geblieben
Aus der Befragung geht hervor, dass in Kantonen und Gemeinden mit guten Rahmenbedingungen sich wenig bis gar kein Mangel abzeichnet. Förderlich für eine ausreichende Anzahl an Schulleitenden sind zum Beispiel weitreichende Kompetenzen in der Ausgestaltung ihrer Aufgaben, eine klare Rollenverteilung zwischen Behörden, Lehrpersonen und Schulleitenden sowie keine überdurchschnittliche Belastung durch administrative Aufgaben. Die Auswertung belegt, dass rund 66 Prozent der Schulleitenden seit Beginn ihrer Tätigkeit ihre Stelle nicht verlassen haben. Dies trotz teilweise schwierigen Rahmenbedingungen wie zu knapp bemessene Schulleitungspensen. Diese richten sich oft rein nach der Grösse der Schule.

Von Kanton zu Kanton unterschiedlich
Die Zahlen aus der Befragung des VSLCH und des CLACESO bestätigen den sich in einigen Kantonen zuspitzenden Lehrermangel. Während für den Zyklus 2 35 Prozent der Schulleitenden Mühe haben, Klassenlehrpersonen zu finden, sind es für den Zyklus 1 bereits 38 Prozent und für den Zyklus 3 sogar 43 Prozent. «Wir hören von den Schulleitenden, dass sie teilweise Stellen ausgeschrieben haben und sich niemand darauf bewirbt», bestätigt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin LCH, in einem Beitrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». In einem anderen Beitrag für die «Tagesschau» führte sie aus, dass dieser Mangel aus den verschiedenen Anstellungsbedingungen und Leistungen der Arbeitgeber resultiert. «Wenn Sie in Zug Lehrerinnen und Lehrer suchen, dann finden Sie diese in der Regel. Wenn Sie dasselbe im nahen Luzern machen, dann wird es schon schwieriger. Es kommt darauf an, wie die Löhne und Rahmenbedingungen für die Lehrpersonen sind.»

Rahmenbedingungen sind Kantonssache
Die Verbände der Schulleitenden erachten es daher als dringend notwendig, dass sich die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) ihrem Auftrag entsprechend verstärkt für die überkantonale Harmonisierung der Arbeits-, Anstellungs- und Gestaltungskompetenzen einsetzt. Dies sieht EDK-Präsidentin Silvia Steiner anders. Sie hielt in der «Tagesschau» fest: «Es ist sinnvoll, dass jeder Kanton aufgrund seiner Voraussetzungen den Lehrerberuf attraktiv hält. Die EDK hat nicht die Kompetenz, auf die Arbeitsbedingungen der einzelnen Kantone Einfluss zu nehmen.»

Deutsch- und Französischlehrpersonen gesucht
Schulleitende benötigen also qualifiziertes Lehrpersonal. Erkannt und bekannt ist, dass fast überall seit Jahren Fachlehrpersonen für schulische Heilpädagogik fehlen. Neu geht aus der gesamtschweizerischen Befragung hervor, dass in der Westschweiz Lehrpersonen für Deutsch und in der Deutschschweiz solche für Französisch fehlen. Zu diesem Thema initiieren die beiden Verbände der Schulleitenden VSLCH und CLACESO in Kooperation mit Movetia, der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität, eine Tagung. (pd/dc/mw)


Weitere Informationen
Medienmitteilung des VSLCH vom 7. Juni 2019: «Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen» 
Lehrermangel in der Schweiz ist akut (SRF 1, Tagesschau, 07.06.2019) 
Schulleiter und Eltern haben genug von Notlösungen (SRF 1, Schweiz aktuell, 07.06.2019) 

top


# #